Kürzlich hat mir ein Freund von seiner Odyssee erzählt, auf der er versuchte, eine Lehrstelle als Bankangestellter zu finden. Doch leider vergebens. Da er anscheinend „dummerweise“ den Wehrdienst verweigert und dafür den Zivildienst abgeleistet hat, wollte keiner den Zivi bei sich haben. Der Zivildienst ist unverändert eben nicht sehr angesehen. Es wäre ein erster, sehr wichtiger Schritt, mit einem Sozialen Dienstjahr von politischer Ebene aus den Stellenwert zu erhöhen. Bisher ist das alles Rhetorik. Aber ich denke, vor allem müßte sich am allgemeinen Bewußtsein etwas ändern, damit der Zivildienst als „gleichberechtigt“ eingebürgert wird. Wenn man frei zwischen Sozialdienst oder Bundeswehr wählen kann, müßten Zivis endlich besser eingearbeitet und ausgebildet werden. Wir Zivildienstleistenden werden oft mit Jobs beauftragt, die unsere Fähigkeiten übersteigen oder uns mehr Verantwortung übertragen, als wir übernehmen können. Zur „freien“ Entscheidung: schön und gut, aber konsequenter wäre es, den Sozialen Dienst als Pflicht einzuführen und eine Begründung von denen zu verlangen, die sich für die Bundeswehr entscheiden. Wer diesen Weg gehen will und den Wunsch zum Griff nach der Waffe mit seiner Überzeugung begründen kann, der soll das tun. Ich finde, es ist wichtiger, zum Beispiel den Pflegenotstand oder Armut zu bekämpfen, als Armeen. Warum sollte das Wichtigere nicht leichter oder einfacher gemacht werden?

David Hofmann, Zivildienstleistender, Jahrgang 1971

Wir finden es wichtig, daß Frauen auch Pflichten nachkommen, die im Augenblick nur Männer haben. Damit meinen wir auch das Ableisten eines Sozialen Dienstes. Das gehört zur Emanzipation. Aber dann muß den Männern gewährleistet werden, einen Teilzeitjob ausüben oder Vaterschaftsurlaub nehmen zu können. Sonst fällt im Endeffekt doch wieder alles auf die Frauen zurück, also doppelter Zeitverlust durch Sozialjahr und eine Schwangerschaft – das wäre in keiner Weise gerecht. Gut finden wir an der Idee den allgemeinen pädagogischen Aspekt, nicht direkt nach der Schule weiter zu lernen, sondern praktisch zu arbeiten, sich selbständig zu machen, eigene Möglichkeiten auszuloten, also nicht vom Lernen ins Lernen (Studium) umzusteigen. Ein Soziales Dienstjahr können wir uns also durchaus vorstellen, auch für uns, wenn die Frauen „abgesichert“ werden. Aber eine Entscheidung für die Bundeswehr: auf keinen Fall.

Nina Steltmann, Studentin, (Anglistik und

Psychologie), Jahrgang 1971; Steffi Peters, Studentin (Kunstgeschichte), Jahrgang 1971, Bonn