Besonders exakt sind die vorliegenden Bilanzen zum Gehalt des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre noch immer nicht. Bisher nahmen Klimaforscher an, zunehmende Konzentrationen würden die Pflanzen stärker wachsen lassen und so den befürchteten Temperaturanstieg bremsen. Allerdings bezieht sich die Annahme auf eine Zeit in der Zukunft, in der sich der Kohlendioxid-Gehalt bereits verdoppelt hat. Neue Programme simulieren jetzt den Weg dorthin, die Übergangszeit also ( Science News, Bd. 143, S. 300, und Nature, Bd. 361, S. 497). Und da scheint gerade der umgekehrte Effekt zu wirken: Der Erdboden heizt die Atmosphäre mit zusätzlichen Kohlendioxid-Gaben vermutlich stärker auf. Zwei Gründe sprechen für die neue Annahme. Einmal wandelt sich kohlendioxidspeichernde dichte Vegetation schneller in einen kargen Bewuchs um als umgekehrt. Der Übergang von Wald- zu Grasland geht zum Beispiel per Feuer sehr viel schneller vonstatten als der Wandel von Tundra- in Waldgebiet. Zum anderen speichern die nordischen Böden kräftig Klimagas im Torf ihrer Moore. Höhere Temperaturen stacheln dort Mikroben zur Höchstleistung an, die Kohlendioxid bereits jetzt mit großem Tempo freisetzen.

Überflüssiges Modell

Zwei Millionen Mark steckt das Bundesforschungsministerium in die Entwicklung eines Computermodells. Es soll am Beispiel von drei Quellgebieten in Niedersachsen simulieren, wie Nitrat abhängig vom Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft und der Struktur des Bodens in das Grund- und anschließend in das Trinkwasser gelangt. Anvisiert ist ein Programm, das Bauern und Wasserwerken mitteilt, wie die Äcker zu behandeln sind, um die Nitratbelastung zu minimieren. Der Laie und der Fachmann fragen sich allerdings, warum der Bundesminister viel Geld ausgibt, um in Zukunft ein Ergebnis zu erhalten, das er heute schon in etlichen Büchern nachlesen kann. Weniger Düngemittel einsetzen, auf Agrarchemikalien verzichten und überhöhte Viehdichten reduzieren sind Maßnahmen, die nicht nur die landwirtschaftliche Überproduktion abbauen, sondern auch das Trinkwasser effektiv schützen, behaupten auch ohne Computerunterstützung nahezu alle Wissenschaftler seit Jahren unisono. An diesen Forderungen dürfte auch ein noch so ausgefeiltes Modell wenig ändern.