DIE ZEIT

Solange die Rezession anhält, kann der Aufbau Ost nicht weitergehen. Deshalb gilt zunächst einmal:: Hände weg von der Steuerschraube

Schon bald nach dem Fall der Mauer ertönte der Ruf nach einem Runden Tisch auch in Bonn. Aber der Kanzler, der die ersten gesamtdeutschen Wahlen gewinnen wollte, versprach den Menschen im Osten "in kurzer Zeit ein blühendes Land", den Bürgern im Westen den Verzicht auf Steuererhöhungen und der Nation insgesamt ein "zweites deutsches Wirtschaftswunder".

Gift fürs Vertrauen

Zivilcourage, die altmodische Tugend, hat in einer Gesellschaft, die Schuldzuweisungen als Lebensprinzip praktiziert, keine Chance.

Zeitspiegel

Mit einem Embargo will der UN-Sicherheitsrat die kriegerischen Serben zum Frieden zwingen. Seit der Verhängung von Sanktionen gegen Belgrad sind Serbiens Nachbarn Bulgarien und Rumänien gehalten, keine Waren über ihre Westgrenze zu lassen.

Die Heimreise

Diese Stille. Diese Dunkelheit, seit der Zug sich entfernte und sacht polternd mit dem Licht seines einzigen Wagens im Nebel verschwand.

Potsdamer Affentheater

Herr Hirsch! Herr Templin! Frau Bohley! Herr Rathenow! Zeugenaufruf im Potsdamer Landtag. Steig mal auf die Leiter, sagte der ZDF-Reorter zu seinem Kameramann, wenn keiner kommt, filmt man immer von oben.

Ein Mann der Reserve

Drahtlos sorgt der Bonner Regierungsfunk dafür, daß die Kabinettsmitglieder auch unterwegs erfahren, welche Sau daheim grade durchs Dorf läuft.

Über den Sozialstaat und das Engagement seiner Bürger muß wieder nachgedacht werden: Eine allgemeine Soziale Dienstpflicht sollte die Wehrpflicht ersetzen: Solidarität – neu buchstabiert

Die Debatte über die Zukunft der Bundeswehr belebt eine alte Idee: die allgemeine Soziale Dienstpflicht. Der Soziale Dienst hat längst ein eigenständiges Plädoyer verdient, denn die gesellschaftlichen und demographischen Umbrüche erzwingen ein neues Denken über den Sozialstaat und das Engagement seiner Bürger.

Übervater

Die Agenturmeldung aus der Vatikanstadt war abzusehen. Papst Johannes Paul II. appelliert an „die Katholiken in Bosnien und der ganzen Welt“, sich der vergewaltigten bosnischen Frauen anzunehmen.

Die Tabuschwellen sinken, die Gewalt nimmt zu – doch Englands Politiker können den Verfall nicht stoppen: Ein Land gerät aus den Fugen

Der Mord an dem zweijährigen James Bulger hat die britische Nation erschüttert. Wohin driftet die Gesellschaft? Welches sind die Gründe für den moralischen Verfall? Warum werden die Tabuschwellen immer niedriger? Nichts scheint mehr Gültigkeit zu besitzen; einst respektierte Institutionen sind ins Wanken geraten; das Land treibt führungslos dahin.

Die amerikanische Luftbrücke für Bosnien hat einen Streit in Serbien ausgelöst: Die Armee fordert eine harte Reaktion, die Politiker wiegeln ab: Provokative Hilfe

Als die Show über Bosnien losging, war sie in Belgrad schon gelaufen. Bevor die ersten amerikanischen Flugzeuge damit beginnen, Hilfsgüter für die muslimische Bevölkerung abzuwerfen, hatten die Militärs in Rest-Jugoslawien bereits wieder einmal bewiesen, wie stark sie sind, wenn es darum geht, sich verfassungswidrig in die Politik einzumischen.

Volle Gleichheit

NEW YORK. – Wie sich die Zeiten ändern. „Ein schwuler junger Kavallerist“ – diese Liedzeile zitierte mein Vater in seinen Erinnerungen über den Dienst in der amerikanischen Kavallerie zwischen den Weltkriegen.

Bonner Bühne: Das Parlaments-Aquarium

Gebannt starrt die Kamera auf den Redner: Mit solch unverrückbarem Blick stierte unsereins im Kindesalter auf die bunten Wesen im Aquarium – womit wir selbstverständlich die Bonner Abgeordneten nicht mit Zierfischen vergleichen wollen.

Ein großer Fehler

WASHINGTON. – Einige Historiker behaupten, Alexander der Große sei ein Homosexueller gewesen. Das gleiche wurde von Richard Löwenherz gesagt.

Nicht vorhersehbar?

Die Antwort aus dem Bauministerium könnte von Radio Eriwan stammen: Im Prinzip ja, daß heißt vielleicht, konkret nein, uns trifft jedenfalls keine Schuld.

Es ist eine Schweinerei

„Ich denke, daß man gut beraten war, zu einem Gutteil die Führungskräfte aus den alten Bundesländern zu wählen. Ich glaube, es wäre zu Mord und Totschlag gekommen, wenn diese messerscharfen, mit so vielen Opfern verbundenen Eingriffe von eigenen Landsleuten durchgeführt worden wären.

Wie ein Freizeit-Bad zum Millionen-Grab wurde: Ein echter Reinfall

ESSEN. – Eigentlich sollte es ein Spaßbad werden, das die Bürger 1987 mitten in der City einweihten. Auf rund 6500 Quadratmetern und zwei Etagen, so dachten die Planer, würden die Besucher zwischen Palmen und Whirlpools, Planschbecken, Saunen und Wasserfall Alltag und Hektik vergessen.

Kernkraft: Zwietracht

Bevor das energiepolitische Konsensgespräch zwischen Regierung und Parteien richtig begonnen hat, wurde die zarte Konsenspflanze, die Niedersachsens Ministerpräsident, die Chefs von Veba und RWE sowie die IG Chemie gepflanzt haben, von den Hardlinern der bayerischen Kernenergielobby wieder niedergewalzt.

Bundeshaus: Mißklang

Für 265 Millionen Mark kann man sich schon etwas leisten: zum Beispiel einen schönen neuen Bundestag in Bonn mit einer perfekten Lautsprecheranlage.

Bonner Kulisse

Wie lange hält die Einheitsfront der Länder gegen den Bund in den Solidarpakt-Verhandlungen? Die Ministerpräsidenten waren noch am Wochenende sehr zuversichtlich, schließlich haben sie ihre Position für das finanzielle Pokerspiel einstimmig vereinbart.

Weltwirtschaft: Eintopf

Was tun, wenn sich die vielen Köche nicht auf ein gemeinsames Rezept einigen können? Damit nicht gleich die Qualität des Breis zu erkennen ist, erhoben die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten („G 7“) auf ihrem Treffen am vergangenen Wochenende in London die Vielfalt zum Programm: Jeder darf nach eigenem Geschmack in seinem eigenen Topf weiterköcheln, auch wenn letztlich in der offenen Weltwirtschaft alles zusammengerührt wird.

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