Von Tobias Mündemann

Dreh auf der Baustelle. Kamera läuft, Ton ab, Auftritt Emil Bast. Der schmale, drahtige Mittsechziger rückt seine Brille zurecht, blinzelt in die Kamera, dann legt er los. „Der hohe Nachfragedruck verspricht über Jahre hinweg steigende Mieten hinzu kommen die hohen Abschreibungssätze von 58 Prozent in den ersten zehn Jahren für Investoren stehen die Ampeln auf...“ Stopp. Zu kompliziert, bloß runtergeleiert, von vorn.

Eigentlich hat Emil Bast etwas gegen Fernsehkameras. Aber der Bitte eines Fernsehteams, inmitten lärmender Baukräne und Kreissägen etwas zum Thema Wohnungsbau zu sagen, ist er trotzdem gern nachgekommen. Schließlich geht es um eine wichtige Nachricht an alle, die Geld übrig haben. Also von vorn, Brille rücken, konzentrieren. Und beim dritten Anlauf ist es endlich heraus: „Wegen der hohen Mieten und der guten steuerlichen Bedingungen“, deklamiert Bast, „können die Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital im Wohnungsbau dreimal so hoch sein wie bei den vielgerühmten festverzinslichen Wertpapieren, Wohnungsbau lohnt sich.“

Emil Bast ist Bauunternehmer und wirbt in eigener Sache. Seine Bast-Gruppe mit Sitz in Erkrath bei Düsseldorf zieht jedes Jahr gut und gern tausend Mietwohnungen hoch. Von der Wartung der Häuser bis zur Auswahl der Mieter und der Vereinbarung der Staffelmiete – die Bast-Gruppe regelt es. „Die Sorglosimmobilie – ein Komplettangebot mit Fullservice“ nennt er sein Angebot. Es soll Bürger dazu bewegen, ihr Geld für den Mietwohnungsbau herzugeben. Wer so viel verdient, daß ihm das Finanzamt fast die Hälfte wegnimmt, ist bei dem Erkrather Unternehmen genau richtig. Der Firmen-Slogan lautet: „Bast baut Zukunft.“

Wenn sich Dietmar Kansy, wohnungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, über sein Fachgebiet ausläßt, ist das zwar sofort sendefähig, sorglos aber klingt es nicht: „Wir geben Milliarden um Milliarden aus, aber wir wissen nicht genau, was mit dem Geld passiert und wie die Förderung wirkt.“ Immerhin ahnt Kansy, daß irgend etwas faul sein muß im Lande. Denn „trotz aller Milliarden rutschen immer mehr Menschen durchs Netz.“

Das Milliardenspiel Bauförderung ist außer Kontrolle geraten. Jahr für Jahr pumpt der Staat gut fünfzig Milliarden Mark in den Wohnungssektor, es könnten auch, niemand weiß das so genau, sechzig Milliarden sein. Zugleich leben fast eine Million Menschen in Blechcontainern, Billighotels, Turnhallen – oder auf der Straße. Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer, FDP, läßt keine Gelegenheit aus, sich selbst als nimmermüde Kämpferin gegen die Not darzustellen und zu verkünden, die „Trendwende im Wohnungsbau“ sei geschafft. Doch damit sich die Lage wenigstens mittelfristig entspannt, hätten statt der im vergangenen Jahr errichteten 400 000 wenigstens 600 000 Wohnungen gebaut werden müssen, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Und auch das gilt nur, sofern bis zur Jahrtausendwende weiter in diesem Tempo gemauert und betoniert wird. Daß es bei lasant steigenden Baukosten und Bodenpreisen sowie dem derzeitigen Mangel an Bauland dazu kommt, bezweifelt auch Schwaetzers Koalitionskollege Kansy: „Das Wohnungsdefizit baut sich nicht ab, es nimmt zu.“

Neben der unvorhersehbaren Zuwanderung, sind mehr als zwei Millionen Haushalte in den vergangenen Jahren hinzugekommen, hat das Elend vor allem eine Ursache – unseren Wohlstand. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist im vergangenen Jahrzehnt größer geworden, und wer Geld besaß, hat sich ausgebreitet. Die meisten Deutschen wohnen deshalb heute so großzügig und komfortabel wie nie zuvor, im Schnitt hat jeder 36 Quadratmeter für sich, zumindest im Westen, aber auch für die neuen Bundesländer sehen die Zahlen kaum anders aus.