Weil Sparsamkeit eine aus der Not geborene Tugend und Not ein Grundakkord der menschlichen Existenz ist, hat das der Kochkiste zugrundeliegende Prinzip vermutlich eine sehr lange Geschichte. Die Eintragung in Meyers Großem Taschenlexikon begnügt sich denn auch mit der kargen Beschreibung der Kochkiste und ihrer Funktion: „Kochkiste, mit wärmeisolierenden Stoffen ausgekleideter Behälter, in dem angekochte Speisen in Kochtöpfen fertiggegart werden.“

Weil Kochkisten selbst in unserem technischen Jahrhundert meist im Eigenbau entstanden, funktionierten sie nicht immer so, wie sie sollten. Ein derartiges Exemplar hat denn auch auf die „Kindheit in Ostpreußen“ von Marion Gräfin Dönhoff einen Schatten geworfen:

„Daß ich fast immer zu spät kam, lag an der Kochkiste, die, wie ich vermutete, auf eine Erfindung von Edith Zedlitz zurückging. Die Kiste konnte angeblich Brennstoff sparen, weil sie innen dick ausgepolstert war. Man stellte abends den kurz angekochten Brei, meist Graupen oder Grütze, hinein und holte ihn am nächsten Morgen angeblich gar gekocht wieder heraus. Von gar war natürlich keine Rede. Die dicken Graupen waren roh und ekelten mich so, daß ich nicht imstande war, sie herunterzuschlucken. Das führte zu ewig langen Sitzungen am Frühstückstisch und mithin zu permanenter Verspätung in der Schule.“

Die kindliche Schuldzuweisung an das ungeliebte Fräulein von Zedlitz (sie „war – wohl inspiriert durch den Krieg – auf äußerste Sparsamkeit bedacht“) verkennt sowohl die Urheberschaft als auch den Nutzen der (funktionierenden) Kochkiste. Tatsächlich hat das ungefüge Küchenmöbel so manche Mahlzeit über kriegsbedingte Strom- und Gassperren oder mangelndes Heizmaterial für den Küchenherd hinweggerettet.

War keine Kochkiste vorhanden, wußte sich der Mangel auch noch anders zu behelfen: mit dem Federbett. Als Mittel der Energieeinsparung war es nicht nur zum Fertiggaren geeignet, wie der Knopp-Trilogie von Wilhelm Busch („Abenteuer eines Junggesellen“) zu entnehmen ist: „Jetzt eröffnet er das Bette / Der Familienlagerstätte. / In dem Bette, warm und schön, / Sieht man eine Schale stehn. / Nämlich dieses weiß ein jeder: / Wärmehaltig ist die Feder. / Hat man nun das Mittagessen / Nicht zu knappe zugemessen, / Und gesetzt den Fall, es wären / Von den Bohnen oder Möhren, / Oder, meinetwegen, Rüben / Ziemlich viel zurückgeblieben, / Dann so ist das allerbeste, / Daß man diese guten Reste / Aufbewahrt in einem Hafen, / Wo die guten Eltern schlafen, / Weil man, wenn der Abend naht, / Dann sogleich was Warmes hat...“

Das Federbett als Herdfiliale war durchaus keine exklusive Einrichtung. Not verdrängt manchen ästhetischen Einwand. Und so hat es denn beklagenswerte Zeiten in unserem Jahrhundert gegeben, da die wärmehaltige Feder so manche Mahlzeit fertiggegart oder warmgehalten und als erfreulichen Nebeneffekt zur Schlafenszeit für ein molliges Bett in der Kälte eines ungeheizten Zimmers gesorgt hat. Das Federbett hat, so ist zu hoffen, in dieser Funktion ein für allemal ausgedient. Aber auch die Kochkiste?

Seit ihrer Blütezeit ist Energie wieder zu einem kostbaren Gut geworden, das sparsamen Umgang erheischt. Es überrascht daher nicht, von einer Thermobox zu lesen, die – „der Kochkiste aus Omas Zeiten abgeschaut ist“ und in der energie- und zeitsparend Speisen schonend gegart werden können: „Sie eignen sich deshalb hervorragend zur Zubereitung von Vollwertkost.“

Waren Graupen nicht auch schon Vollwertkost? Durchaus möglich, daß die Metamorphose zur schicken Thermobox dem Notmöbel Kochkiste zu einer Renaissance verhilft.