Von Marlies Menge

Schwerin

Er sollte ihre Stütze sein. Doch nun ist er eher der Stein, über den Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerin Petra Uhlmann (CDU) zu stolpern droht: Peter-Uwe Conrad, Politiker aus Schleswig-Holstein, als dort noch Uwe Barschel Ministerpräsident war.

Als Alfred Gomolka die dreißigjährige promovierte Landwirtin 1990 in sein Kabinett holte, war sie, wie die meisten ihrer östlichen Kollegen, blutige Politikanfängerin, hatte nach der Wende lediglich Erfahrungen als Dorf-Bürgermeisterin gesammelt. Deshalb wurde ihr der ehemalige Umwelt-Abteilungsleiter im Kieler Landwirtschaftsministerium ins Amt gesetzt. Heute gilt er als ihr „Papa“, auf den sie vertrauensvoll hört.

Eine gerne praktizierte Kombination in den neuen Ländern: Einem unerfahrenen Ostpolitiker wird ein gewiefter Wessi zur Seite gestellt. In diesem Fall aber scheint solche Konstellation verhängnisvoll, da es um die Deponie Schönberg geht, Europas größten Giftberg. Verhieß Frau Uhlmann noch zu Amtsbeginn, Schönberg werde bald nur noch mecklenburgischen Müll aufnehmen, so spricht sie heute vom Ende der abfallpolitischen Kleinstaaterei. Mit dem Geld durch Müllimporte wolle man Deponien sanieren, rekultivieren und neue bauen.

In Schönberg lagern auf 265 Hektar Land mehr als neun Millionen Tonnen Müll. Die Bundesrepublik liefert seit 1979. Auf DDR-Seite verdienten daran vor allem KoKo-Unternehmen des Schalck-Golodkowski, auf westdeutscher Seite der Müllhändler Adolf Hilmer. Durch Müll wurde Hilmer zum Millionär – unterstützt von Peter-Uwe Conrad, der in Kiel die Genehmigungen für den Monopolmüllhandel zwischen Hilmer und den KoKo-Männern gab. Was ihm das einbrachte? Hilmer schenkte Conrad eine kostbare Pfeife, heißt es. Stasi-Akten berichten von Zuwendungen des Herrn Hilmer an Conrad zu DDR-Zeiten, was Conrad bestreitet.

Nach der Wende wechseln im Osten die Firmennamen, die Unterhändler bleiben dieselben. Noch mehr Müll als zu DDR-Zeiten fließt von West nach Ost – über eine Million Tonnen Haus- und Giftmüll allein 1992.