Von Dušan Reljić

Belgrad

Als die Show über Bosnien losging, war sie in Belgrad schon gelaufen. Bevor die ersten amerikanischen Flugzeuge damit beginnen, Hilfsgüter für die muslimische Bevölkerung abzuwerfen, hatten die Militärs in Rest-Jugoslawien bereits wieder einmal bewiesen, wie stark sie sind, wenn es darum geht, sich verfassungswidrig in die Politik einzumischen.

Einer der ranghöchsten Offiziere las dem jugoslawischen Außenminister Ilija Djukić, einem Vertrauten von Präsident Dobrica Cosić, in aller Öffentlichkeit die Leviten. Der Minister hatte zuvor in einem Brief an den Vorsitzenden des Uno-Sicherheitsrates die Sorge Belgrads kundgetan, bei der amerikanischen Hilfsaktion könne es zu Zwischenfällen kommen. Die Flugzeuge dürften auf keinen Fall jugoslawisches Hoheitsgebiet verletzen. Djukic versicherte aber, die Bundesrepublik Jugoslawien werde keinesfalls militärische Operationen außerhalb des eigenen Territoriums durchführen, also auch nicht die Amerikaner in Ost-Bosnien behindern.

in die Politik vorwarf, konterten die Militärs mit scharfen Angriffen gegen die Zeitung. Luftwaffengeneral Stevanovic fragte das Blatt, ob „die Entschlossenheit der jugoslawischen Streitkräfte, diese Arroganz (der Amerikaner) nicht zu dulden, im Widerspruch zum Salon-Verständnis des Pazifismus“ stehe. Er, Stevanovic, stehe auf der richtigen Seite: „Ich habe patriotische Interessen verteidigt, die niemand abstreiten kann.“

Aber während die Generäle in patriotischer Selbstherrlichkeit schmorten, meldeten sich die eigentlich Betroffenen zu Wort. Der Regierungschef der selbsternannten Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina, Vladimir Lukić, erklärte: „Wir sind tief überzeugt, daß die amerikanische Regierung ehrliche Absichten hat. Wir haben von verantwortlichen Vertretern der amerikanischen Armee Zusicherungen bekommen, daß es sich wirklich um eine rein humanitäre Aktion handelt und nicht um etwas anderes, das viele Feinde des serbischen Volkes herbeiwünschen.“ Bald werde sich jedoch die amerikanische Aktion als sinnlos herausstellen, denn die Hilfe könne auch auf Straßen herangebracht werden, fügte er hinzu.

Wie üblich, wenn es sich um brenzlige Fragen handelt, schweigt Serbiens Staatschef Slobodan Milošević zur Luftbrücke der Vereinigten Staaten.