Fahles Licht über Pinneberg und Flensburg, es war wieder so ein Tag. Nur Nässe und Tristesse, die um die Häuser kroch. Wie nur raus aus dieser Stimmung? Nicht vor den Kindern! Also bis zum Abend gewartet und dann auf dem Sofa noch etwas zusammengerückt. Ein Fläschchen Roten geöffnet – doch halt, einen Moment noch – Elisabeth, dreh lauter, die Wetterkarte!

Im Norden, so die Wetterkarte, bleibt es naßkalt. Weiterhin Niederschlag, teils als Regen, teils als Schauer, nachfolgend Eintrübung. Im Süden dagegen – Schnee! Schnee satt, Schnee, wohin man sieht, es wird schneien bis in italienische und türkische Niederungen hinein. Glückliches Ankara. Schneeketten, Bergepanzer, alles, was dazu gehört. Winter eben. Mein Gott, warum nicht ein bißchen davon auch bei uns?

Nicht nur Bergmangel, nun auch Schneemangel. Es gibt noch eine Betroffenheit, die nichts zu tun hat mit politischer Vergangenheit und Gegenwart. Dem Menschen des Nordens wird dies derzeit grausam klar. Denn wer hat es noch im Ohr, ob in Husum oder anderswo, dieses Geräusch, das entsteht, wenn Schuhe schneebedeckten Boden berühren? Dieses Knirschen, dieses unendliche Knirschen beim Abrollen des Fußes über den Flocken. Verklungen. Nichts knirscht mehr.

Welch ein Verlust von Sinnlichkeit, denken wir nur an unsere Rapsfelder. Nach diesem Gelb im Sommer nichts als weiße Weite im Winter. Diese Augenblicke der durch nichts zu ersetzenden Stille zwischen zwei Schneestürmen, in denen es die Menschen des Nordens ganz einfach hinauszog. Wo sie ihren Platz vor den Heizkörpern noch gerne verließen. Wo sie sich den marodierenden Vorfahren gleich ihren Schlitten nahmen, um auf den Feldern ein wenig herumzuziehen.

Tja, der Schlitten. Auch er ein traurig Betroffener. Scheint Schnee nur mehr als Möglichkeit, ist der Schlitten nur mehr Ausdruck von Unmöglichkeit. O Brandungen des Lebens, unser „Davoser“, das Traditionsmodell, sein Schicksal beginnt sich in diesen Tagen zu vollenden.

Der Davoser, welch ein Schlitten. Eine der wenigen gelungenen Kombinationen von organischem Werkstoff, von natürlichem Holz mit schnellem Eisen. Deutsche Buche, deutsche Esche, vorn eher aggressiv schnittig, die Sitzbank hinten im ganzen leicht gewölbt, eine Form, nicht kühn, aber schön. Und nun dies: Sein Abverkauf ist im Norden dramatisch ins Stocken geraten.

Allein in Hamburg, berichtet ein Gewährsmann, stapelten sich 3000 Schlitten in den Kontoren. Die Branche beschreibt die Nachfrage am Markt als äußerst schleppend. Trotz Einräumung von Rabatten und dem, was modernes Marketing sonst an Möglichkeiten bietet, umsatzmäßig tendiert der Schlitten gegen null. Kein Wunder, daß infolgedessen auch die Stimmung in den norddeutschen Lagerhäusern als gereizt bezeichnet werden muß. Böse Worte machen bereits die Runde. In puncto Beweglichkeit, heißt es an den Umschlagplätzen, sei der Davoser nur noch mit einem „Kanaldeckel“ zu vergleichen. Eine Geschmacklosigkeit, natürlich, in der sich aber, und insofern bitten wir um Verständnis, nur die ganze Enttäuschung der Menschen im Norden spiegelt.