450 000 Touristen kamen 1991 nach Kuba, im Jahr darauf waren es schon 500 000, 1995 sollen es sogar eine Million werden: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus die letzte Hoffnung für Fidel Castros Zuckerinsel.

Da kann es bei der Vermählung von sozialistischer Ideologie und kapitalistischer Pragmatik schon einmal Pannen geben. Die Folgen bekommen in diesen Wochen Reisende zu spüren, die nach zehnstündigem Flug und zweistündigem Transfer an der Hotelrezeption erfahren, daß ihr Zimmer längst belegt ist.

„Zur Zeit ist Kuba hoffnungslos überbucht“, heißt es von Insidern. Den Reiseleitern in Varadero, dem Badeort an der Nordküste des Landes, aber auch in anderen Touristenorten bleibt oft nur ein Schulterzucken. Meist können sie ihren Kunden bloß den Umzug in eines der First-class-Hotels von Havanna anbieten. Doch wer einen Strandurlaub gebucht hat, möchte nicht unbedingt im Zentrum einer Zwei-Millionen-Stadt wohnen.

Manche Kuba-Urlauber fliegen entnervt mit der nächsten Maschine nach Hause. Andere sehen die Sache sportlich: „Wie lange haben Sie gebraucht, um in das richtige Hotel zu kommen?“ Drei Tage gelten als guter Durchschnitt.

Offizielle kubanische Stellen halten sich bedeckt, wenn sie erklären sollen, wie es zu diesen Unpäßlichkeiten kommen konnte. Branchenkenner in Havanna erzählen folgende Version: Alle Hotels auf Kuba werden zentral von der staatlichen Tourismusbehörde vermarktet – in Kooperation mit dem spanischen Unternehmen Oasis. Doch die kubanischen Touristiker hatten sich zuwenig über die Seriosität ihres Partners informiert.

Als dieser die Bettenkontingente mehrfach verkaufte, kündigten die Kubaner die Zusammenarbeit zum 31. Dezember vergangenen Jahres auf. Zu spät: Die Spanier reisten samt ihrer Computer ab. Seither staunen die Gastgeber auf Kuba, wie viele Touristen aus den Chartermaschinen quellen und einen Hotelvoucher vorweisen können.

Die Bitte an die Reiseveranstalter in Europa, Kanada und Südamerika, einen sofortigen Buchungsstopp zu verhängen, blieb vorläufig ohne Wirkung. Die Unternehmen hatten schließlich gleichfalls Flugkontingente eingekauft.