Die Agenturmeldung aus der Vatikanstadt war abzusehen. Papst Johannes Paul II. appelliert an „die Katholiken in Bosnien und der ganzen Welt“, sich der vergewaltigten bosnischen Frauen anzunehmen. Warum? „... damit sie nicht abtreiben.“

Wie verlockend, das mit einem Kopfschütteln abzutun! Es verbietet sich angesichts der Leiden der Frauen. Unerbittlicher als Feministinnen es je vermochten, demonstrieren ihnen Männer, was es heißt, unter ihrer Macht zu leben. Hilflos sind die Frauen den gewaltbesoffenen Rambos ausgeliefert. Ihre Ehemänner machen das Böse-Jungen-Spiel mit, indem sie das Schänden gegen sich gerichtet verstehen und die Objekte ihrer Schmach verstoßen. Deutsche Juristen formulieren messerscharf: Vergewaltigung ist kein Asylgrund – es „vermögen nur solche Beeinträchtigungen einen Anspruch auf Anerkennung als Asylberechtigter zu begründen, die nach ihrer Intensität und Schwere die Menschenwürde verletzen.“ Der Papst ergreift nun die Gelegenheit, die Gefolterten in die Gebärpflicht zu nehmen – so blind vor Eifer, daß er einiges übersieht. Die Betroffenen – Musliminnen zumeist – sind gar nicht Mitglied seines Sprengeis. Und dessen zentrales Credo ist doch angeblich die Mitmenschlichkeit. Einer seiner Brüder sollte ihn warnen. Irgendein Kind (ein Mädchen?) könnte eines Tages mit dem Finger auf ihn zeigen: „Guck! Der alte Mann! Keiner hört ihm zu – die Kirche ist leer!“ Also besser nicht warnen? S.M.