Von Lucian K. Truscott

NEW YORK. – Wie sich die Zeiten ändern. „Ein schwuler junger Kavallerist“ – diese Liedzeile zitierte mein Vater in seinen Erinnerungen über den Dienst in der amerikanischen Kavallerie zwischen den Weltkriegen. Kann man sich ein solches Lied heute noch vorstellen?

Ich kommandierte eine Infanteriekompanie im Koreakrieg 1950. Unter den ungefähr 150 Männern, die ich dort in bitterer Kälte durch die Berge führte, war mindestens ein homosexueller Soldat. Alle anderen dichten, er sei einfach unmännlich Dadurch und durch sein rotes Haar blieb er mir all die ganzen Jahre über in Erinnerung.

Ich sah, wie Soldaten ihn gelegentlich verspotteten, so wie Männer es eben tun. Eines Tages kam ein Feldwebel zu mir und sagte: „Sir, ich glaube, er ist ein verdammter Schwuler.“ Alles, was ich antworten konnte, war: „Ich glaube, es gibt kein verdammtes Gesetz dagegen, solange er seine Arbeit macht.“

Er stand am Maschinengewehr. Es war eine große Waffe, über zehn Kilo schwer; er trug sie, obwohl er recht klein und schmächtig war. Das Maschinengewehr schoß zuverlässig und todsicher, so daß die Chinesen immer erst den Mann an dieser Waffe zu töten versuchten.

Aber er machte diese Arbeit, die kaum jemand verrichten wollte – bis zu einem verregneten Tag im Frühling 1951. Ich kniete vor ihm nieder und erblickte das kleine runde Loch, den Todesschuß in seiner nassen Stirn unter dem Ansatz seines roten Haares. Ein paar Männer seiner Einheit drehten sich von mir weg, damit ich nicht nicht sah, wie sie leise weinten, als sie ihn auf eine Tragbahre legten. Er war einer von uns, ein Soldat.

Ich bin sicher, daß er homosexuell war, so wie ich sicher bin, daß er nicht der einzige Homosexuelle in der Kompanie war. Er war ein guter Soldat.