Was sagt man da, wie reagiert man, sobald einem nach der Rückkehr aus dem Urlaub die ersten Freunde, Verwandten und Bekannten querkommen mit der Standardfrage: „Na, wie war’s?“ Was antwortet man so auf die schnelle mit einer Spur Höflichkeit und Informationsgehalt? „Na, wie war’s?“ – „Gut.“ – „Und sonst?“ – „Ja, äääh...“ – „Erzähl doch mal...“

Wir hatten Neuseeland als Reiseziel gewählt, und es schien uns, als wäre die Entfernung mit der Intensität des ständigen Nachfragens eng gekoppelt. Allmählich ging uns die Sache auf die Nerven.

Da kam die rettende Idee. Wir mühten uns nicht mehr mit Beschreibungsversuchen, was denn so schön war und anders und besonders oder warum wir einen Besuch dieses wunderbaren Landes („Ist da wirklich soviel Natur?“) unbedingt empfehlen. Nein: Wir würdigten das, was wir über viele Wochen offenbar versäumt hatten. Wie es war? Toll: Keine Europadebatten, das Wort Maastricht schon vergessen, keine Lichterketten, keine Politikverdrossenheit, kein Kohl, keine Tagesschaufanfaren, Weihnachtsgeschenke, Schlußverkäufe, Salmonellenängste, dafür: Genuß durch Verpassen.

Was hieß noch mal SPD oder HSV oder VHS und VPS? Wir erklärten uns für unfähig, mitzureden über nationbewegende Begriffe wie Solidarpakt und Motzki, Schengener Abkommen, Vignettenstreit oder Amigo-Kartell. Neue Postleitzahlen, Gesundheitsstrukturgesetz? Nicht davon gehört. Das machte Eindruck.

Vieles nimmt man erst so recht wieder wahr, wenn man es eine Weile vergessen durfte: Die Radiodurchsagen im Halbstundentakt über „zähflüssigen Verkehr“ bei Köln-Süd und Bonn-Nord, über spielende Kinder auf der Fahrbahn beim Kamener Kreuz und – „Achtung Autofahrer!“ – entlaufene Pferde in der Nähe von Krefeld-Gartenstadt. Oder die dauernde Werbungswarnung: „Zu Risiknun Nebenwrklsn Sidi PkungsblageodrfranSiArztothekr!“

Urlaub in einem fremden Land ohne jede deutsche Zeitung – das bedeutet: Niemand erwartet eine Stellungnahme zum Drama Stich oder Becker. Kein Ärger über Bayern-München-Siege, keine Freude über Schalke-Querelen. Die Sportschau-Sucht hat sich durch Zwangsentzug verflüchtigt. Unser Fußball-Methadon war Cricket.

Aber jetzt müssen wir uns erst mal kundig machen: Der Wirtschaftsminister hat keinen Schnauzbart mehr und der Kollege vom Bauernbereich deutlich abgespeckt. Wie hießen noch mal die fünf neuen Länder? Sind die Bonner immer noch nicht umgezogen? Oder hat man sich auf Bonlin oder Benin geeinigt? Je ignoranter die Fragen wirken, desto schneller bringt man die Daheimgebliebenen zum Schweigen und zum Neiden.