Von Stefan Bürger

In dem kleinen Bergnest Lipnice nach Sázavou ging für den Bohemien, Vagabunden und Alkoholiker Jaroslav Hašek ein Traum in Erfüllung. „Jetzt wohne ich direkt in einer Bierstube. Mir hätte nichts Besseres passieren können“, schrieb er an einen Freund im fernen Prag. In der Abgeschiedenheit der böhmisch-mährischen Bergwelt hatte der bis dahin glücklose und stets verschuldete Schriftsteller die erfolgreichste Phase seiner Karriere: Er verfaßte dort „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“.

Der „Schwejk“ wurde unsterblich, und Besucher können an verschiedenen Orten seiner gedenken – sei es, daß sie ein Bier in der Prager Gaststätte „U kalicha“ („Zum Krug“) auf sein Wohl leeren oder ein Stück seines gewaltigen Irrmarsches um Budweis nachstiefeln.

Und sein Schöpfer Hašek? Seine Spuren sind nicht so einfach zu finden. Nur in jenem kleinen Dorf Lipnice nach Sázavou, in der Nähe der südmährischen Stadt Havlíčuk Brod (Deutsch Brod), wird seine Erinnerung standesgemäß bewahrt.

Bereits am Ortseingang grinst Schwejk die Besucher von einer leicht angerosteten Hinweistafel an. Die seltenen ausländischen Touristen ziehen noch immer die erstaunten Blicke auf sich. Nichts Ungewöhnliches ist es dagegen, wenn sich ein altersschwacher Bus die enge Straße nach Lipnice hochquält und eine Schulklasse in der Mitte des Dorfes ausspuckt. Kinder und Lehrerin wollen Hašek nachspüren, jenem Anarchisten, Schriftsteller und Gründer der erstaunlich erfolgreichen „Partei des maßvollen Fortschritts im Rahmen der Gesetze“.

Erinnerungen an Hašek gibt es genug. Dabei hatte es einige Zeit gebraucht, bis die Bauern den Stadtmenschen und kommunistischen Revolutionär in ihrer Gemeinschaft akzeptierten.

Nachdem seine Freunde ihn zum Umzug nach Lipnice überredet hatten, kam Hašek in der letzten Augustwoche 1921 im Gasthaus „U české koruny“ („Zur tschechischen Krone“) beim Gastwirt Alexander Invald unter. Nach einigen Tagen folgte Hašeks zweite Frau Schura.