Von Rainer Finne

Am Freitag, den 27. November 1992 hatte Flug TK 664 der Turkish Airlines besondere Fracht an Bord: die Särge der drei Opfer der Möllner Brandanschläge. Die Familie Arslan zog es vor, ihre Toten in Anatolien zu begraben.

Die meisten in Deutschland lebenden Muslime lassen ihre Verstorbenen in die Heimatländer überführen. Bundesweit fünfzehn von Muslimen betriebene Unternehmen haben sich auf solche Bestattungen spezialisiert. Die Düsseldorfer Ari Transportvermittlung GmbH beispielsweise organisiert jedes Jahr 700 bis 750 Leichentransporte – per Luftfracht – in die Türkei und andere islamische Länder, „von Somalia bis Afghanistan“. Firmenchef Mehmet Ari, 56, schätzt, daß allein aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet jährlich 3000 Muslime die letzte Heimreise antreten. Von manchen Flughäfen – etwa Düsseldorf – fliegt in nahezu jeder Maschine in die Türkei oder den Iran eine Leiche im Frachtraum mit.

Der Transport kostet die Familien viel Geld. Auf den deutschen Friedhöfen landen hauptsächlich die Armen, zumeist auf Kosten der Sozialämter. Für 3000 bis 4000 Mark gibt es einen Sarg, eine schlichte Grabplatte und ein Begräbnis.

Mehr als zwei Millionen Muslime leben in der Bundesrepublik. Sie bilden die drittgrößte Religionsgemeinschaft hierzulande. Doch eine Bestattung nach den Geboten ihres Glaubens war ihnen auf deutschen Friedhöfen lange gar nicht möglich. Erst seit ein paar Jahren kümmern sich einige Kommunen, besonders Großstädte, um das Problem.

Muslime genießen in Deutschland nicht solche Aufmerksamkeit wie die jüdischen Gemeinden. Die Störung der vom mosaischen Glauben geforderten ewigen Totenruhe durch den Bau eines Einkaufszentrums auf dem Boden des alten, von der Gemeinde längst verkauften Friedhofs in Hamburg-Ottensen beschäftigte letzten Sommer lange die Öffentlichkeit, Bürgermeister Voscherau erklärte das Problem zur Chefsache. Daß der Islam für verstorbene Muslime die ewige Ruhe fordert, ließ deutsche Politiker bisher kalt.

Es ist fraglich, ob dies auch in Zukunft so sein wird. Die ersten muslimischen Gastarbeiter waren noch sehr heimatverbunden, doch in der zweiten und dritten Generation läßt dieses Gefühl langsam nach. Mehr und mehr muslimische Rentner bleiben in der Bundesrepublik, wo sie gearbeitet haben, und möchten dort auch beigesetzt werden – ein „Zeichen von wirklicher Integration“, sagt Mohammed Salim Abdullah, 62, von der Deutschen Sektion des Islamischen Weltkongresses, selbst „halb Deutscher, halb Bosnier“.