Laisser-faire

Mit einem Embargo will der UN-Sicherheitsrat die kriegerischen Serben zum Frieden zwingen. Seit der Verhängung von Sanktionen gegen Belgrad sind Serbiens Nachbarn Bulgarien und Rumänien gehalten, keine Waren über ihre Westgrenze zu lassen. Die Balkanländer beugten sich, teilweise, dem Druck. Doch jetzt tauchten an unerwarteter Stelle Embargobrecher auf: in Großbritannien. Eine Londoner Galerie hat eine Ausstellung eröffnet, auf der Photographien ermordeter und verstümmelter Serben gezeigt werden. Die Aufnahmen stammen aus Belgrad und unterliegen deshalb dem Embargo. Die englischen Veranstalter wollen damit gegen die „Unterdrückung der Wahrheit“ über den Balkankrieg protestieren. Das britische Handelsministerium reagierte verunsichert auf die streitbaren Importeure. In einem Brief schrieb ein Beamter an die Galerie, die Einfuhr der Bilder sei zwar verboten, die Ausstellung indes nicht. Damit sei für ihn der Fall erledigt.

Seilschaften

Daß Politik eine Familienangelegenheit ist, kennen wir natürlich von Diktaturen, wo eine Sippe alle Machthebel kontrolliert, oder aber aus Italien, wo die „Paten“ die Fäden in ihrer weitverzweigten Verwandtschaft ziehen. Aber in Dänemark? Seit dem jüngsten Regierungswechsel sieht es dort folgendermaßen aus: Die Verlobte des neuen Ministerpräsidenten in Kopenhagen, Poul Nyrup Rasmussen, ist die Vorsitzende einer seiner Koalitionsparteien, der Finanzminister ist mit der Kulturministerin verheiratet. Außenminister ist der Sohn eines früheren Kulturministers und einer ehemaligen Bürgermeisterin der Hauptstadt, Papa des Verteidigungschefs ist der einstige Außen- und spätere Wirtschaftsminister. Und schließlich dürfte im Folketing, dem Parlament, die Familie Haekkerup wohl bald Fraktionsstärke erreichen. Was machen Singles und Waisen in Dänemark? Sie begraben am besten ihre politische Ambition.

Freundschaften

Pecunia non olet ist auch der SPD bekannt und führt schon mal zu gefährlichen Freundschaften. Der Kaufmann Richard Müller und Ehefrau Sieglinde hatten den Sozialdemokraten im Wahljahr 1990 jeweils 60 000 Mark gespendet. „Moneten-Müller“ war in den achtziger Jahren wegen illegaler Technologieexporte angeklagt worden, hatte sich aber nach Ost-Berlin abgesetzt. Erst nach seiner freiwilligen Rückkehr in die Bundesrepublik wurde er 1989 zu zwei Jahren Gefängnis mit Bewährung und 1,5 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Müllers Anwalt Otto Schily (SPD-MdB) hatte stets bestritten, daß sein Mandant Verbindungen zum sowjetischen Geheimdienst gehabt habe. Jetzt belegen Akten des Schalck-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag, daß der Chef des militärischen Nachrichtendienstes der Sowjetunion (GRU) Stasi-Minister Erich Mielke persönlich gebeten hat, „die Unterbringung von Müller auf dem Territorium der DDR zu sichern“.