Nach Windhoek kam er nie, der deutsche Kaiser, um auf der nach ihm benannten Kaiserstraße die Ovationen der deutschen Schutztruppler, Farmer und Kolonialglücksritter entgegenzunehmen. Das koloniale Mandat über Deutsch-Südwestafrika hatte das Deutsche Reich durch den Ersten Weltkrieg verspielt, dem Einfluß deutscher Farmer und Geschäftsleute auf die namibische Gesellschaft indes tat das bis heute – auch wenn die Kaiserstraße inzwischen Independence Avenue heißt – kaum Abbruch. Wie in keinem anderen deutschen Schutzgebiet blieben die verwandtschaftlichen und ökonomischen Beziehungen bestehen.

Südafrika, das Südwestafrika nach dem Ersten Weltkrieg mit Völkerbundsmandat und nach dem Zweiten Weltkrieg widerrechtlich bis zur Unabhängigkeit verwaltete, nutzte Namibias Reichtum an Bodenschätzen und Vieh, tat aber sonst nicht viel für das Gebiet. Daß das riesige Land mit nur 13 Millionen Einwohnern mehr zu bieten hat als Wüste und öde Weiten, dokumentiert das über 700 Seiten starke Expressreisehandbuch Namibia. Die Hälfte des Bandes ist der Beschreibung konkreter Reiseziele gewidmet, vom berühmten Etoschapark über Swakopmund bis zur Skelettküste. Im ausführlichen länderkundlichen Teil wird die beklemmende Geschichte deutscher Kolonisation lebendig: die unterschiedlichen Eigentumsauffassungen von Herrschern und Beherrschten sowie die Geschichte der Aufstände gegen die deutsche Besatzung.

Die praktischen Hinweise auf Unterkünfte und Restaurants erfordern eine stattliche Reisekasse. In der Mehrzahl werden Treffpunkte der weißen Bevölkerung Namibias genannt. Hier wären mehr Hinweise auf Bars, Kneipen und Restaurants wünschenswert gewesen, in denen der – meist schwarze – Normalbürger verkehrt. Diese Orte gilt es dann selbst auf einer Reise zu entdecken, für den der umfangreiche Band eine ausgezeichnete Vorbereitung bietet.

Sehr um Aktualität bemüht ist der Reise Knowhow-Band Kenya. Autor Manfred Becker wollte mit dem Buch „zur Überwindung der Hemmschwelle“ beitragen, „die uns oft abhält, dem Fremdartigen aufgeschlossen gegenüberzutreten“. Der Band hinkt den politischen Entwicklungen im Lande hinterher. Einige historische und politische Interpretationen wirken eher verharmlosend angesichts der Unterdrückung der Opposition im ehemaligen Musterländle Ostafrikas.

Die Handhabung des Reiseführers wird durch fettgedruckte Hervorhebungen erleichtert, was sich besonders im hilfreichen praktischen Teil mit den Routenvorschlägen als nützlich erweisen kann.

Was manch anderem Reiseführer mangelt, nämlich Atmosphärisches aus dem Reiseland zu vermitteln, gelingt mit dem ersten Afrika-Reiseführer aus dem VSA-Verlag auf Anhieb: Unter dem schlichten Titel „Kamerun“ beschreiben siebzehn Autoren das Leben in einem Land, das ebenso wie Namibia durch deutschen Kolonialismus nachhaltig geprägt wurde. Die Beiträge sind von unterschiedlicher Qualität und Intensität: hier eine Schilderung über die nicht immer angenehme Konfrontation mit einem positiv verklärten Deutschlandbild, da eine eher trockene Reisebeschreibung oder auch – eines der Glanzstücke – der „Versuch einer Mentalitätsbeschreibung“, in dem Herausgeberin Gerlinde Kurzbach augenzwinkernd die bürokratischen und zwischenmenschlichen Anstrengungen bei der Beschaffung eines Kameruner Telephonbuchs beschreibt.