Von Frieda Grafe

Keine Zukunft haben vor hundert Jahren die Brüder Lumière dem Cinématographe vorausgesagt. Am meisten überraschte es sie, daß alle Welt ihre mechanischen Bilder zum Vergnügen sehen wollte. Die Nachfrage war so groß, daß man künstliche dazuerfinden mußte – steigend bis in die fünfziger Jahre, als mit dem Fernsehen die Freizeitunterhaltung andere Formen annahm.

Noch einmal kam ein französischer Wissenschaftler zum Zuge. Die in den zwanziger Jahren von Henri Chrétien erfundene Hypergonarlinse wurde zum Ausgangspunkt für die spektakulären Breitwandprojektionen, mit denen Darryl Zanuck, der Boß der Fox-Studios, gegen die Miniaturbilder antrat.

CinemaScope ist das Science-fiction-Geschöpf des Fernsehens, das als echter Moloch seine Kinder frißt. Ab 1961 begann es in Amerika Scope-Filme auszustrahlen, nachdem es erst vor den illusionsstörenden schwarzen Balken zurückgeschreckt war, die durch die divergierenden Formate sich ergeben. Dann kam eine Zeit, in der man die alten Bilder actiongerecht und fernsehbildfüllend ausschnitt. Wobei es vorkam, daß auch Hauptpersonen, die sich zu sehr an den Außenrändern bewegten, aus dem Bild fielen oder aber in Hitchcocks „Psycho“ im spannendsten Moment ein Mikrophon im Bild erschien.

Heute stellen Regisseure, denen am Scope im Kino liegt, Scorsese, Woody Allen, Spielberg, Ridley Scott, selbst Videoversionen ihrer Filme her, um ihre Bildkompositionen nicht massakrieren zu lassen.

Das deutsche Fernsehen geht neuerdings wieder dazu über, CinemaScope unbeschnitten auszustrahlen. Die zurückgewonnene Breite miniaturisiert das Geschehen, das Bild zieht sich zusammen zum Panzerschlitz, als stünde es kurz vor der Implosion.

Was das Kino einmal war