Unvergeßlich: dies Gesicht. Narben, wie sie unser Jahrhundert der Kriege in Köpfe schlägt. Immer im Ohr die rauhe Stimme dieses Mannes, der doch so zart sein konnte Unauslöschlich: der brennende Blick.

Büchners Woyzeck hieß jahrelang Blech, Hans-Christian. Stammten sie nicht beide aus Hessen-Darmstadt – Büchner und Blech? Die getretene Kreatur: Wer hätte sie besser verkörpern können als der am 20. Februar 1915 in Darmstadt geborene Sohn eines Beamten. Nicht mehr Woyzeck, sondern Platzeck hieß der Mann nach zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert. In der Verfilmung von Hans Hellmut Kirsts Roman „08/15“ war der in der Uniform entmenschte Kerl zum „Schleifer“ geworden und doch so elend geblieben wie Woyzeck.

In der Uniform vor der Kamera: So hätte dieses Rauhbein gut leben und zum internationalen Star werden können. Nichts war dem hessischen Dickschädel mehr zuwider. Er hat die Militär-„Helden“ („Die Brücke von Remagen“) immer wieder gespielt – und verachtet. Er brauchte den Widerstand, wie ihn jeden Abend das Publikum eines Theaters liefert. Er hat die Herausforderung gesucht und mit den großen, als schwierig schrienen Regisseuren gearbeitet – das Theater der Bundesrepublik bereichert, ganz nach Kortners Lob: „Ihr sieht dem Blech das Leid der Welt an der Fresse an. Er ist blond – und macht einen Gebrauch davon.“

So ein Querkopf wird sehr fehlen, am 5. März in München gestorben, Hans-Christian Blech, 78 Jahre alt. rn