Graubünden, der größte Schweizer Kanton mit seinen 150 Tälern, den drei Sprachen Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch, den mannigfachen kulturellen Prägungen und unterschiedlichen Klimazonen gibt ein reichhaltiges Thema ab.

  • Willi und Ursula Dolden

DuMont Kunst- und Landschaftsführer

Graubünden

DuMont Verlag, Köln 1992; 376 S., 44,– DM

Das Autorengespann (von dem im selben Verlag bereits ein Kunstreiseführer durch das Wallis vorliegt) ist nach einem kurzen Abriß der bewegten Bündner Geschichte mit Erfolg bemüht, die Vielfalt dieses alpinen Kerngebiets übersichtlich zu dokumentieren.

So entsteht das stimmige Panorama einer Region, die seit jeher ihre Eigenständigkeit bewahrt, obwohl sie bis heute permanenten Veränderungen unterworfen ist. Auf die reichlich vorhandenen kulturellen Zeugnisse dieses Wechselspiels, das Graubünden in erster Linie seiner verkehrstechnischen Bedeutung verdankt, ist die Feinstruktur dieses Bandes ausgerichtet. Landstriche, die an der Peripherie dieses maßgeblichen Kriteriums liegen, werden deshalb mit Ausnahme des Nationalparks im Unterengadin nur kurz erwähnt.

Dennoch veranschaulichen die großzügig bebilderten und mit Wandervorschlägen versehenen Kapitel, wie sich Natur- und Kunstgenuß in Graubünden verbinden lassen – etwa in der Gegend von Flims: Selbst im Einzugsgebiet dieses modernen Ferienortes sind lohnende Beispiele sakraler und profaner Baukunst zu bewundern, die hier bis zu bronzezeitlichen Funden zurückreicht. Noch eindrücklicher jedoch und rund zehnmal älter sind die Spuren des gigantischen Flimser Bergsturzes, durch dessen Trümmer, die das Vorderrheintal in Sur- und Sutselva teilen, sich der junge Rhein im Lauf der Zeit eine bizarre Schlucht gegraben hat. Wer Graubünden mehr als einmal besuchen möchte, ist mit diesem Führer ausgezeichnet bedient. Andreas Schäfler