Die Stasi-Debatte muß weitergeführt werden. Nicht als literarischer Enthüllungsroman, sondern als eine Debatte über das Erbe der DDR. Wie hat die Stasi wirklich funktioniert? Wie wurden die Täter zu Tätern? Und wie wird man den Betroffenen gerecht?

Wer jetzt für das Ende der Debatte plädiert, ist entweder selber in die Stasi-Vergangenheit verstrickt, oder er zeigt, daß er von der Stasi-Materie im Grunde nichts weiß. Wer jetzt den Abbruch der Stasi-Diskussion fordert, macht die Betroffenen noch einmal zu Opfern. Wer sich für das Schweigen engagiert, plädiert für das Vergessen. Und er plädiert dafür, eine große Chance zu vergeben. Denn noch nie in der deutschen Geschichte konnte man in den Annalen eines Staatswesens blättern und zu gleicher Zeit die Beteiligten befragen: Täter und Betroffene und jene, die beides zugleich waren. Klaus Michael

Literaturhistoriker in Berlin