MÜNCHEN. – Es ist wie „Kir Royal“, nur eben im richtigen Leben. Als Protagonisten dieser jüngsten Episode aus der bayerischen Landeshauptstadt sind zu nennen: der Koch, seine Freundin und ein Gspusi. Eckart Witzigmann, der Koch, ist ob dreier Sterne für seine im „Aubergine“ zelebrierte Kunst mehr als bundesweit bekannt. Die Freundin ist jung, hübsch und blond, das Gspusi brünett und nicht ganz so ansehnlich. Allerdings könnte sie sich dafür als Witzigmanns Waterloo entpuppen. Eine „verkrachte Medizinstudentin“ hat sie die Süddeutsche beschimpft wegen ihres abgebrochenen Studiums und nachfolgender Beschäftigung als MTA in einem Münchner Krankenhaus. Doch nicht nur deshalb liest sich die Geschichte wie ein Schwesternroman: Sie beginnt mit der in die Brüche gegangenen Ehe des Kochs und findet derzeit ihr Finale in einem Prozeß gegen ihn. Was war geschehen?

Vor vier Jahren trennte sich der Koch von Frau und Familie. „Sechzehn Stunden täglich Streß in der Küche, das ist auf die Dauer zuviel für eine Ehe, am Schluß sind wir uns nur noch in den Haaren gelegen.“ Die Folge: statt Familienglück am Wochenende jetzt lange Nächte mit den Schönen der Nacht.

Insider der Münchner Fesch- und Fröhlichszene sind nicht verwundert, daß dabei auch mit so mancher Prise Koks der besseren Befindlichkeit auf die Sprünge geholfen wird. „Mir ist es heute ein Rätsel, wie ich da hineingekommen bin, aber wenn man sich so lausig fühlt, wenn man dann daheim so alleine ist“, erklärt der Koch sich selbst und dem Gericht, wie es zum Kontakt mit der hiesigen Kokseria kam. Zeitweise „ganz erheblichen Konsum“ wird später der toxikologische Gutachter bestätigen.

Doch als besonders fatal soll sich vor allem eine verhängnisvolle Affäre mit besagter verkrachter Medizinstudentin herausstellen. Marie-Luise F., soviel wird im Lauf der Verhandlung klar, himmelt höhere Herren an. Zumindest stehen in ihrem Adreßbuch neben Witzigmann auch die Namen von dessen Kochkollegen Schubeck und Operntenor Peter Hofmann. „In Eckart habe ich mich aber richtig verliebt“, beteuert die 36jährige im Sitzungssaal und erzählt, wie sie auf ihren Bittbrief hin vom Sternekoch auf einen Schnupperbesuch in die Küche des „Aubergine“ eingeladen wurde. Wochen später folgte spätabends ein weiterer Besuch, jetzt in Witzigmanns Büro. Man zog dann noch um die Blöcke, landete schließlich im Bett und trifft sich im folgenden ein gutes dutzendmal.

Marie-Luise F. sieht sich aber schon bald als die Feste an Witzigmanns Seite, muß aber schnell erkennen, daß sie die Rechnung ohne den Koch gemacht hat. Denn da ist noch dessen richtige Freundin Christine J., die blonde Schöne, die nun mit Witzigmann auf der Anklagebank sitzt. Von ihrer Existenz erfährt die medizinisch-technische Assistentin per nächtlichem Telephonat: „Ich hab’ noch bei dem Eckart angerufen, aber da war eine Frau am Telephon.“

Von nun an ging der Kurs gen Kabale. Längst hatte Marie-Luise F. von der regelmäßigen Kokserei ihres Angebeteten Wind bekommen, er soll, so beteuert sie dem Gericht, sie sogar zum Mitschnupfen ermutigt haben. Und weil die Eifersucht ihr Ventil sucht, verpfeift die kleine MTA den großen Koch bei der Polizei. Sechs Gramm der brisanten Brise stellen die Beamten am 11. Mai vergangenen Jahres in des Kochkönigs Wohnung sicher.

Nun muß das Gericht klären, ob erstens der Tatbestand des Erwerbs und Eigenverbrauchs von Kokain vorliegt (liegt vor, Witzigmann ist in diesem Punkt geständig), ferner, ob er zweitens seine Freundin Christine F. zum Mitkoksen in wiederholten Fällen animiert hat. Und vor allem: ob der Koch einen Plastikbeutel mit hundert oder gar mehr Gramm (die Zeugin der Anklage will es so gesehen haben) Kokain in seiner Schreibtischschublade versteckte. Eine zentrale und von Witzigmann heftigst verneinte Frage, rührt sie doch an den Fundamenten der von der Verteidigung vertretenen „Eigenbedarftheorie“. Zentral auch deshalb, weil von ihrer Beantwortung der Ausgang des Prozesses maßgeblich abhängt. Ein bis fünfzehn Jahre Haft sieht im schlimmsten Fall das Gesetz für derartige Delikte vor. Zudem droht Witzigmann der Konzessionsentzug seines Lokals. „Mein Lebenswerk wär’ dann dahin.“