Es hat Zeiten gegeben, da muß für einen kommunikativen Geschäftsmann das Verreisen eine arge Qual gewesen sein.

Hatte er sich zum Beispiel – Manager müssen fit bleiben – für eine Bergtour entschieden, so konnte es ihm passieren, daß er Stund um Stund, ja vielleicht Tag um Tag über Geröll stolperte, an schmalen Felsgraten entlangkraxelte, über blühende Almwiesen schritt, Kühe oder Gemsen traf, aber nie auf die-Möglichkeit zu wahrer Kommunikation – kein Faxgerät weit und breit! Und die Sennerin in luft’ger Bergeshöh’ hatte Speck und Charme zu bieten, aber nicht einmal ein Mobiltelephon. Allerhöchstens das Hinterlassen einer Ansichtskarte bot die Chance, Verbindung mit der Außenwelt aufzunehmen.

Welch hartes Schicksal vor gar nicht allzu ferner Zeit, nur zu einem Deutschland-Trip aufzubrechen: stundenlang getrennt von jedem Faxgerät, von jedem Kontakt zu den Mitarbeitern daheim; keine Möglichkeit, Direktiven zu geben, sich sofort einzuschalten, zu beweisen, daß man ständig mit Herz und Gedanken bei den Seinen am Schreibtisch ist. Schließlich kann ja ein eiliger Geschäftsmann auf Reisen nicht ständig das nächstgrößere Postamt ansteuern in der Hoffnung, dort auf ein Faxgerät zu stoßen. Sehnsüchtig muß er auf den Abend warten. Kaum im Hotel angekommen, stürmt er sofort die Rezeption, um mit einem angemessenen Trinkgeld und einem Riesenstapel Papier das Faxgerät, seinen so lebenswichtigen Draht zum Business, für mindestens die nächste Stunde zu okkupieren.

Wie viele Geschäftsmänner wohl haben erleichtert aufgeatmet, als sie der Zeitung entnehmen konnten, daß Telekom das Faxproblem beträchtlich entschärfen und nun auch dem Fleißigsten der Fleißigen ein Mindestmaß an Reisekomfort gewähren will? Noch in diesem Jahr sollen mehr als 5000 Faxgeräte an allen wichtigen Punkten, die ein ernst- und wichtig zu nehmender Reisender ansteuert, aufgestellt werden: An Bahnhöfen und an Flughäfen, an Autobahnraststätten und in Hotels harren nun die Geräte der wichtigen Botschaften, die da kommen werden. Der warnende Hinweis auf die happigen Gebühren kann höchstens den selten zu Faxen aufgelegten Banausen erschüttern.

Allein, die großzügige Tat der Telekom ist für den wahren Faxsüchtigen nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Denn trotz der 5000 Neuen gibt es für ihn noch Hunderte von Situationen, in denen er von jedem guten Fax verlassen ist. Was macht so ein Mensch, wenn er seinem Standard gemäß zur Schlauchbootexpedition auf dem Amazonas weilt und auf das nächste Faxgerät wahrscheinlich erst in Manaus stößt? Was tut er, wenn er im Urwald Guatemalas Tempelruinen vergangener Kulturen erforschen will, ohne die Gegenwart aus den Augen zu verlieren? Jedesmal muß er zurück ins Hotel, um sich richtig ausfaxen zu können. Und wer gibt ihm die Gewähr, daß beim Segeltörn zu den Grenadinen oder den Lofoten wirklich auch eine Faxmaschine mit an Bord ist?

Dem Menschen kann bald geholfen werden, erfahren wir aus einer Zeitungsnotiz. Derzufolge wurde jüngst in Las Vegas das kleinste Faxgerät der Welt präsentiert. Und das für den Faxfreak so segensreiche Ding paßt nicht nur ins Reisegepäck, sondern in jede Hemd-, Hosen- oder Handtasche – es hat die Größe einer Zigarettenschachtel.

Reisen gewinnen eine neue Qualität. Denn nun hat der Vielbeschäftigte überall auf der Welt nur noch ein Ziel vor Augen – wo ist die nächste Telphonbuchse, damit er sein Gerät einstöpseln und notfalls sogar seine Ansichtskarten heimfaxen kann. Monika Putschögl