DIE ZEIT

Zeitspiegel

Die Stunde der Wahrheit – sie kommt zumeist unverhofft. Als neulich die Mitglieder der CDU/CSU in der gemeinsamen Verfassungskommission gezwungen wurden, gegen einen Kompromiß zu stimmen, gab es Proteste.

Worte der Woche

„Wenn ich die Blessuren in den letzten zwölf Monaten, die wir erlitten haben, rückblickend betrachte, finde ich, daß die Art und Weise, wie die Nachfolge Hans-Dietrich Genschers in der FDP-Führung durch Otto Graf Lambsdorff gehandled wurde, zu den Blessuren Nummer eins gehört.

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Knut Nevermann zählte Ende der sechziger Jahre zu dem Kreis derer, die man damals als „Studentenführer“ bezeichnete. Im Jahr 1967 war er Asta-Vorsitzender an der Freien Universität Berlin.

Ben Witter: Angetippt

Richtig zugehört wurde jedoch, als die Atomkraftgegner und Friedensbewegten sich lautstark bemerkbar machten, als gegen die Umweltverschmutzung marschiert wurde, sogar mit Kinderwagen.

Schweiz: Männerwahl

Großbritannien und Frankreich, Portugal und Israel, Pakistan und Indien hatten eine Premierministerin. In Norwegen regiert eine Frau, Kanada will eine Kanadierin, und in Weißen Haus wirbelt immerhin Hillary.

Korruption in Japan: Einkassiert

In der Korruption war Japan schon immer Spitzenreiter. Obwohl sich das Land seit Jahrzehnten zum Kreis der westlichen Demokratien zählte, blieb dieser Mangel zurück.

Einigung in Afghanistan: Unversöhnt

Am vergangenen Wochenende haben sich die afghanischen Mudschaheddinführer in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad die Hände zur Versöhnung gereicht.

Frauen fördern!

BONN. – Welch ein Anachronismus: Nach vierzig Jahren Grundgesetz müssen die Frauen jetzt um einen Zusatz kämpfen, der eigentlich schon längst gesellschaftliche Wirklichkeit sein sollte.

Ein Hauch von Skepsis

BONN. – Die ebenso schlichte wie eindeutige Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ geht auf eine der vier Mütter des Grundgesetzes zurück: auf die Juristin Elisabeth Seibert.

Schelcht dran

POTSDAM. – Die Rechtsstellung der ostdeutschen Frauen wurde durch die Übertragung der Arbeits- und Sozialordnung der Bundesrepublik auf die neuen Bundesländer erheblich beeinträchtigt.

Schreckgespenst

BERLIN. – Immer noch gilt für die Mehrzahl der Frauen: Sie arbeiten mehr, verdienen weniger, werden eher arbeitslos, beziehen geringere Renten und nehmen häufiger Sozialhilfe in Anspruch.

Bonner Bühne: Zone des ewigen Friedens

Was schützt die Volksvertreter vor dem Volk? Die Bonner Bannmeile. An diesem cordon sanitaire um Ministerien, Parlament und Kanzleramt prallt noch jedes Begehren und Aufbegehren der Bürger ab wie an einem Panzer.

Demokratie?

HALLE. – Die Erfahrungen in den neuen Bundesländern sind deprimierend. Zwischen sechzig und siebzig Prozent der Arbeitslosen sind Frauen.

Neuer Treibstoff

TUTZING. – Knapp 44 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes ist für die Mehrzahl der Frauen Gleichberechtigung mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Den Touristen zuliebe soll eine Idylle zerstört werden: Wasser-Spiele

WALLENFELS. – Es klingt wie ein Schildbürgerstreich und ist doch reale Politik. Da gibt es im Frankenwald mit dem Lamitz-Tal noch ein Fleckchen weitgehend unberührte, ökologisch intakte Natur, von Einheimischen und Urlaubern wegen des märchenhaft schönen Waldes gleichermaßen geschätzt – und mitten in diese Bilderbuchidylle soll nun ein Staudamm geklotzt werden, 130 Meter lang, 15 Meter hoch.

KLAUS HARTUNG: Über das Bewerben

BERLIN. – Vor einem Monat tauchte er auf. Gesehen haben ihn wenige, aber Presseerklärungen machten ihn berühmt: der vermummte Streetfighter vor den bunten Mauerresten am Potsdamer Platz; mit seiner rechten Hand wog er drohend einen Pflasterstein, mit der linken zeigte er den Stinkefinger.

Unsoziale Gesellschaft

„Da werden oben Entscheidungen getroffen, und unten brechen ganze Strukturen weg. Wenn ich mit ansehen muß, daß unsere sozialen Beschäftigungsprojekte und damit die Hoffnung vieler arbeitsloser Menschen den Bach heruntergehen, so lohnt es sich nicht mehr, in dieser unsozialen Gesellschaft zu existieren.

Eine große Chance

Die Stasi-Debatte muß weitergeführt werden. Nicht als literarischer Enthüllungsroman, sondern als eine Debatte über das Erbe der DDR.

BUCH IM GESPRÄCH: Mitterrands Schattenreich

Die Spur führt in den Elysée-Palast. Sie verliert sich erst an der Schwelle zum Präsidentenbüro. Zwei Monate lang wurde Edwy Plenel, Starreporter des Pariser Monde, Anfang 1986 abgehört – von den Gendarmen einer Antiterroreinheit, die direkt François Mitterrand unterstand, nur ihm verantwortlich war und in keiner offiziellen Hierarchie geführt wurde.

Ort-Suche eines Heimatlosen: Fritz Beers "Fragmente einer Lebensgeschichte": "Ich habe es gewußt..."

Ein berührendes Lebenszeugnis und ein traurig stimmendes Dokument unserer Zeit: die Autobiographie von Fritz Beer, deutschsprachiger Tscheche, Jude, Kommunist, Emigrant, Journalist, Dissident und antifaschistischer Soldat in der Armee der Londoner exil-tschechoslowakischen Armee, in deren Uniform er half, den Kontinent freizukämpfen von denen, die siebzehn Mitglieder seiner Familie ermordeten und ihn in die Fremde trieben.

Schröpfen ohne Konzept

Mit ihrer konzeptionslosen Finanz- und Steuerpolitik hat sich die Bundesregierung seit der deutschen Einheit in ein Dilemma manövriert, das auch mit dem Solidarpakt und dem Appell an die Opferbereitschaft der Bürger nicht zu lösen ist.

Rüstungsexporte: Bonn verramscht Panzer und Fregatten in alle Welt – zum Leidwesen der Industrie: Deutschland an vorderster Front

Der parlamentarische Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium, Heinrich L. Kolb, machte sich seine Antwort leicht. Die Frage des SPD-Abgeordneten Hans Martin Bury, auf welchen legalen oder illegalen Wegen deutsche Waffen ins jugoslawische Kampfgebiet gelangt sein könnten, quittierte Kolb mit Unkenntnis: "Die Bundesregierung besitzt keine Anhaltspunkte, ob beziehungsweise auf welchem Weg deutsche Waffen, besonders die MP 5, nach Jugoslawien gelangt sein könnten.

Bewirtungsspesen: Bitter

Jetzt wollen sie sich, die Herren Ministerpräsidenten, sogar an der deutschen Wirtschaft vergreifen – wenn auch nicht an der Kneipe von nebenan.

Bonner Kulisse

Nach der Lapas-Bestechungsaffäre gibt es in Bonn einen neuen Kurs fürs Geben und Nehmen. Die Grundeinheit ist ein Gilles im Wert von 8000 Mark.

Chemieunfälle: Subversiv

Zum Horsd’ceuvre reichte Hoechst einen gelben Nebel, klebrig und giftig. Das Dessert war eine blaue Wolke, angeblich wasserlöslich und harmlos.

Tarifstreit: Gefährlich

Wer ein Spitzengespräch ablehnt, muß schon gute Gründe haben. Die aber gibt es nicht für das Nein der IG Metall zu einem Treffen mit den Arbeitgebern.

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