Von Bartholomäus Grill

Wen haben wir denn da? Die Firma Bauer! Dunkle Erinnerungen knüpfen sich an diesen Namen. Sommer 1991, Golfkrieg. Druckluft-Batterien aus dem Hause Bauer zischten bei der "Mutter aller Schlachten". Die Iraker brauchten die auf Lastwagen montierten Kompressoren, um ihren Kampfflugzeugen beim Schnellstart aufzuhelfen.

"Eine saudumme Geschichte, von der wir keine Ahnung hatten", erinnert sich Exportleiter Klaus Luferseder. "Wir sind erst stutzig geworden, als wir die Tarnfarbe an den Lkw sahen." Das ist lange her, Schwamm drüber. Außerdem: Was sollen solche Fragen bei der Industriemesse in Johannesburg, wo die Firma Bauer und 144 andere Unternehmen deutsches Know-how präsentieren?

Am heutigen Tage blickt Luferseder lieber auf das Engagement seiner Firma in Südafrika zurück. "Wir sind mit Unterbrechungen seit 1975 hier", sagt er stolz. Die Sanktionen, 1986 von den Vereinigten Staaten, der Europäischen Gemeinschaft und den Commonwealth-Mitgliedern verhängt, haben die Bauer-Manager nicht sonderlich gestört. "Wir haben kein schlechtes Gewissen, weil wir keine Waffen verkaufen." Aber selbst wenn es um Kriegsgerät geht, plagen Luferseder keine Skrupel: "Wenn wir die U-Boote nicht liefern, dann macht’s halt der Amerikaner."

"Der Amerikaner" hat von 1986 an eine Reihe seiner Multis abgezogen und den Boykott der Burenrepublik einigermaßen durchgehalten. In die Marktlücken sprangen deutsche Konzerne. Sie verfuhren, wie der Spiegel seinerzeit spottete, "mit der Sensibilität eines afrikanischen Buschfeuers: Sie nehmen mit, was sie kriegen." Deutschland stieg zum wichtigsten Handelspartner des Apartheidregimes auf. 1986 bis 1990, in den schlimmen Jahren des Ausnahmezustands, wurden zwischen beiden Ländern Waren im Wert von knapp vierzig Milliarden Mark ausgetauscht. Die Liste mit rund 320 deutschen Unternehmen und Firmenbeteiligungen wurde von der Deutsch-Südafrikanischen Handelskammer gehütet wie ein Staatsgeheimnis und erst im Herbst 1992 veröffentlicht. Die schwarzen Schafe fürchteten die wütenden Proteste der Apartheid-Gegner (siehe auch Interview).

Offenbar hatte das Gros der Unternehmer, die vergangene Woche in Johannesburg ausstellten, ein identisches Textbuch im Reisegepäck. Befragt nach der nicht gerade ehrenhaften Rolle, die manches deutsche Unternehmen am Kap spielte, antworteten sie unisono: Wir haben uns nichts vorzuwerfen; die Sanktionen waren eh wirkungslos; sie haben nur den Schwarzen geschadet. Laßt uns nach vorne schauen!

Kein selbstkritisches Wort wurde bei dieser "ersten offiziellen Wirtschaftspräsentation der Bundesrepublik Deutschland" in Südafrika auf die Vergangenheit verschwendet. Im Gegenteil: Pretorias Vizefinanzminister Theo Alant lobte die guten Handelsbeziehungen "sogar in den unglücklichen Zeiten". Es habe immer ein enges Verhältnis zum gegenseitigen Nutzen bestanden. Und Bayerns Wirtschaftsminister August Lang erklärte, die Aufhebung der EG-Sanktionen sei eine unabdingbare Voraussetzung für diese Messe gewesen – "insbesondere in psychologischer Hinsicht" –, und freut sich über die künftigen "Perschpektiven". Der CSU-Mann meint wohl: Endlich haben wir unseren Seelenfrieden, endlich dürfen wir wieder ungestört Geschäfte machen.