Bei der Einlösung seines Versprechens gegenüber Bundeskanzler Helmut Kohl, die Kreditwirtschaft werde eine Milliarde Mark in Firmen aus dem Besitz der Treuhandanstalt investieren, stößt Eberhard Martini, Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken, auf Schwierigkeiten. Erst mußte er sich den Vorwurf gefallen lassen, er habe ohne vorherige Zustimmung über die Gelder der Mitgliedsbanken des eigenen Verbands verfügt. Mit dem Vorschlag einer Fondsgründung, mit der sich die Lasten des Solidaritätsopfers gerecht verteilen lassen, konnte Martini die aufgebrachten Gemüter jedoch halbwegs besänftigen. 400 Millionen Mark, so wurde beschlossen, wollen die Privatbanken in eine Beteiligungsgesellschaft einbringen, die damit von der Treuhandanstalt sanierungsfähige Betriebe. übernehmen soll. Mit seiner Feststellung, die übrigen 600 Millionen Mark müßten Sparkassen und Genossenschaftsbanken übernehmen, brachte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, dann allerdings die Konkurrenzverbände gegen sich auf. Die wollen sich nicht unter Druck setzen lassen. Eine Fondslösung kommt für sie ebensowenig in Frage wie die Festlegung auf konkrete Summen. Statt dessen sollen die jeweiligen Zentralinstitute der beiden Gruppen (Genossenschaftszentralbanken und Landesbanken) bei der Treuhand einzeln nach sanierungsfähigen Betrieben Ausschau halten und sie in ihre Obhut übernehmen. Daß die Institute dabei den Regeln des Kreditwesengesetzes unterliegen, kommt Sparkassenpräsident Helmut Geiger und Wolfgang Grüger, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, ganz gelegen. Danach dürfen die Banken keine Engagements eingehen, bei denen schon von vornherein absehbar ist, daß damit nur Abschreibungen produziert werden. Wenn die Privatbanken sich nun alsbald die letzten Rosinen aus dem wenig attraktiven Treuhand-Angebot herausgepickt haben, können die Genossenschaftszentralbanken und Landesbanken guten Gewissens erklären: Wir finden keine Betriebe mehr, in die zu investieren uns das Kreditwesengesetz erlaubt. Große Hoffnungen, daß Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihr Investitionssoll tatsächlich erfüllen, hegt daher kaum noch jemand.

Mit einer meisterlichen Taktik zog Andrea Riffeser, Enkel und Erbe des italienischen Zeitungsverlegers Attilio Monti, seine Gruppe aus der Überkreuzverflechtung mit der Axel Springer Verlag AG heraus. Vor vier Jahren hatten die Verlage sich verbündet: Springer kaufte für hundert Millionen Mark zehn Prozent Beteiligung an der italienischen Betriebsgesellschaft Poligrafici Editoriali, die drei große Regionalzeitungen in Florenz, Rom und Bologna betreibt Monti erwarb eine zehnprozentige Beteiligung an der Axel Springer Verlag AG. Springer sollte bei der Geburt einer italienischen Bildzeitung in Mailand Pate stehen, Monti den Erben Axel Springers helfen, Attacken auf die Aktienmehrheit abzuwehren. An das Hamburger Verlagstor pochte damals laut der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch.

Die Kooperation entwickelte sich jedoch enttäuschend. Der Mailänder Zeitungsplan und andere Projekte fielen Meinungsverschiedenheiten zum Opfer, die deutsche Vereinigung ließ Springer mehr nach Osten als nach Süden blicken Die Trennung war programmiert. Aber wie? Im Bündnisvertrag hatten die Partner sich verpflichtet, ihre Beteiligungen nicht an Kenkurrenten zu verkaufen. Springer bekam deshalb nur eine magere Offerte von der Mailänder Mediobanca, die das Poligrafici-Paket für umgerechnet 67,4 Millionen Mark zurücknahm – gute Freunde von Riffeser oder gar er selbst können es nun der Bank billig abkaufen. Während Springer dabei einen herben Verlust einstecken mußte, konnte Riffeser sein Springer-Paket zu genau dem gleichen Preis loswerden, den er vor vier Jahren hingeblättert hatte: 220 Millionen Mark. In Lira gerechnet hat der Italiener freilich genau 35 Prozent mehr erlöst. Käufer des Springer-Pakets war Leo Kirch, was nur möglich war, da der Münchner Medienmogul (Sat 1, Pro 7, Kabelkanal) und die Springer-Erben das Kriegsbeil begraben haben und sich inzwischen als Partner ausgeben.

Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich die Springer-Erben mit Händen und Füßen gegen den Einstieg Kirchs wehrten. Man darf gespannt sein, wie lange die neue Harmonie der Springer-Großaktionäre Bestand hat.

Auch anderswo enden Kooperationen schneller als geplant: Erst im Dezember vergangenen Jahres hatten die beiden Werkzeugmaschinen-Hersteller Maho aus Pfronten und Traub aus dem württembergischen Reichenbach/Fils verkündet, daß sie künftig im Vertrieb, bei der Grundlagenforschung und im Einkauf miteinander kooperieren wollen. Nur drei Monate später ist die Zusammenarbeit bereits wieder geplatzt: Traub wird statt mit Maho mit dem Fräs- und Bohrmaschinenhersteller Hermle AG aus Gosheim/Württemberg im Vertrieb kooperieren. Die Gründe für den plötzlichen Partnerwechsel seien bei Maho zu suchen, betont ein Traub-Sprecher. Von Maho wiederum ist bekannt, daß das Unternehmen mit dem Münchner Konkurrenten Deckel über eine Zusammenarbeit verhandelt. Zwischen beiden Unternehmen gebe es „mehr als Gespräche“, betonte der Maho-Vorstandsvorsitzende Bodo Viets auf der letzten Hauptversammlung seines Unternehmens – Deckel-Chef Peter-Jürgen Kreher und sein Großaktionär Walter Eder saßen unter den Zuhörern. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden ehemaligen Erzfeinden erscheint durchaus sinnvoll. Maho muß sein überdimensioniertes Werk in Kempten auslasten, während Deckel-Großaktionär Walter Eder schon laut darüber nachdenkt, für die Produktion am teuren Deckel-Standort im Münchner Süden nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen – „zum Beispiel die Nutzung bereits bestehender Fertigungsstätten bei anderen Firmen“. Maho-Chef Viets spricht überdies schon von „Optionen in eine andere Richtung“. Der mögliche Partner Deckel ist bereits mit dem Bielefelder Wettbewerber Gildemeister in einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft verbunden.

Bei seinen Bemühungen um den Aufbau eines Touristik-Konzerns stößt Friedel Neuber derzeit gleich an mehreren Fronten auf Widerstand. Erst brachte der Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank die Altgesellschafter der Touristik Union International GmbH (TUI) gegen sich auf, als er sich einen dominierenden Einfluß auf den größten europäischen Reiseveranstalter zu sichern suchte. Am 17. März soll eine Gesellschafterversammlung den Ausschluß des größten TUI-Gesellschafters, der Walter Kahn Beteiligungs-KG, beschließen, an dem die WestLB direkt und indirekt maßgeblich beteiligt ist.

Mit einer nicht ganz so forschen Taktik eckt Neuber auch in Großbritannien an. Dort streiten die WestLB-Beteiligungsgesellschaft Thomas Cook und der drittgößte britische Reiseveranstalter Airtours um Owners Abroad. Airtours will die Nummer zwei der britischen Reisebranche gegen Umtausch der Owners-Aktien in Airtours-Aktien plus einer kleinen Barabfindung gegen den Widerstand des Owners-Vorstands vollständig übernehmen. Anfang dieser Woche konterte Thomas Cook mit der Offerte, 12,5 Prozent der Owners-Aktien zu 150 Pence zu kaufen. Damit will Cook die bestehende Kooperation mit Owners absichern, die in Gefahr geriete, wenn Airtours zum Zuge käme. Das Bargeldangebot mag zwar einigen Owners-Aktionären reizvoller erscheinen. Doch in der Londoner City sind begrenzte öffentliche Kaufangebote wie die von Thomas Cook keineswegs gern gesehen. Sie gelten als typisch deutsche Methode, sich mit minimalem Mitteleinsatz Einfluß zu sichern.

Wolfgang Köhler