KÖLN. – Den nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Schnoor ereilte die Nachricht ausgerechnet bei der Einweihung der Yad-Vashem-Gedenkstätte in Israel. Das, was am Mittwoch vergangener Woche in Köln geschehen war, mußte ihn zwangsläufig an den Nationalsozialismus erinnern, und die „neue Form der Menschenjagd“ habe ihn entsetzt, wie ein Sprecher sagte. In Köln hatte die Deutsche Liga, die dort mit zwei Sitzen im Stadtrat vertreten ist, begonnen, Fahndungsplakate zu kleben und „Steckbriefe“ zu verteilen mit dem Aufruf, eine illegal in Köln lebende Roma-Frau aufzuspüren.

Zwei Tage zuvor wurde von der rechtsextremistischen Partei bereits ein „Kopfgeld“ ausgesetzt. „Die Fraktion Deutsche Liga im Rat der Stadt Köln“, heißt es in dem Flugblatt wörtlich, „hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Landfahrerin Nidar Pampurova führen, eine Belohnung von DM 1000 ausgesetzt. Frau Pampurova ist eine bereits einmal abgeschobene, erkannte Schein-Asylantin, die nach Recht und Gesetz in ihr Heimatland zurückkehren muß.“ Sachdienliche Hinweise erbat die Deutsche Liga an die angegebenen Telephon- und Faxnummern ihrer Fraktion im Rathaus oder direkt an die Polizei.

50 000 „Steckbriefe“ und 3000 Plakate, auf denen weithin sichtbar das Konterfei von Nidar Pampurova abgebildet ist, ließ die Deutsche Liga herstellen, nach eigenen Angaben auch nahezu vollständig in der City verteilen und in fast allen Stadtteilen kleben – von „Anhänger der Partei“, wie ein Mitarbeiter der Fraktion sagte, von Skinheads, wie Freunde von Frau Pampurova es nachts beobachtet haben.

Verantwortlich für die Aktion zeichnen nicht die beiden Ratsmitglieder, sondern der Fraktionsassistent der Deutschen Liga, Bernd M. Schöppe, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Amtsanmaßung nun auch ermittelt: Steckbriefe zu veröffentlichen sei, wenn überhaupt, Sache der Polizei. Ihm drohen bis zu zwei Jahren Haft. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat wegen Volksverhetzung Strafantrag gegen die Deutsche Liga gestellt.

Die auf den Plakaten angegebenen Nummern der Fraktion ließ die Stadt sofort sperren, und die Bezirksämter sind beschäftigt, die Plakate auf Kosten der Deutschen Liga wieder zu entfernen. Es werde geprüft, sagte Pressesprecher Manfred Burkhard, ob für die Steckbriefe Steuermittel verwandt worden seien und ob der Fraktion deshalb die Mittel gesperrt werden könnten. Die Deutsche Liga falle „hin und wieder schon mal unangenehm auf“ – sie entsende bisweilen mehr Vertreter in die Gremien der Stadt als die großen Parteien und hätte somit „kräftig Sitzungsgelder abkassiert“. Außerdem führen die beiden rechten Ratsherren überdurchschnittlich viel Taxi auf Kosten der Steuerzahler, und ein in Köln abgehaltener Bundeskongreß der Partei sei wie so vieles über das Fraktionsbüro abgewickelt worden.

Die Deutsche Liga freut sich über die Aufmerksamkeit, Fraktionsvorsitzender Beisicht spricht denn auch von einem „vollen Erfolg“ der Aktion, auch wenn, wie ein Mitarbeiter der Fraktion einräumt, Hinweise ja nicht eingehen könnten, da das Telephon gesperrt sei.

Daß der Anwalt Pampurovas von der Liga Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Mark aufgrund „massiver Persönlichkeitsverletzung“ fordert und weitere Steckbriefaktionen gerichtlich untersagen lassen will, scheint die Liga nicht zu beeindrucken – man erwäge sogar eine Neuauflage der Flugblätter. Der Mitarbeiter spricht überdies in aller Offenheit von „Zigeunern“, die in Köln herumlungerten, und beschuldigt das „linksextreme Spektrum“, Frau Pampurova zur Symbolfigur gemacht zu haben. In der Sache schließlich gäben die Behörden der Deutschen Liga recht, die die Roma wieder abschieben wollen.