Von Christine Brasch

Wie treffen zwei Väter eine Verabredung – sagen wir ein Politiker und ein Journalist? Sie konsultieren ihre Referenten oder Terminkalender und schauen, ob sich zwischen Konferenzen und Arbeitsessen eine Lücke findet. Wenn nicht, hängen sie an den langen Tag eben noch etwas an.

Wie verabreden sich zwei Mütter – sagen wir eine Politikerin und eine Journalistin? Ihr Terminkalender ist so voll wie der der Kollegen. Aber wehe, da soll noch etwas zwischen: Der Kindergarten schließt um fünf. Der Vater der Kinder ist auf Dienstreise. Die hilfsbereite Nachbarin hat sich bei ihren Kindern Keuchhusten geholt. Es kommt noch schlimmer: Die Kinderfrau hat Urlaub, oder das Au-pair-Mädchen kommt vier Wochen später als angekündigt.

Jede berufstätige Mutter lebt mit solchen Katastrophen, während der Terminkalender der Kollegen gänzlich unbeschnitten bleibt – nur eines der Symptome dafür, daß die Last der Kinderbetreuung allein an den Frauen hängt – und seien sie beruflich noch so hochgestellt. Kinder, die betreut werden wollen, sind Karrierehindernisse. Prominentestes Beispiel der letzten Wochen: Nannygate, wie die Amerikaner die "Kindermädchen"-Affäre unter Präsident Clinton getauft haben.

Der Vorgang war eigentlich ein Affärchen. Zwar hatte Zoë Baird, die erste Bewerberin für das Amt des Justizministers, tatsächlich das Gesetz gebrochen, indem sie ein Kindermädchen illegal beschäftigte, ohne Steuern und Sozialabgaben zu bezahlen. Die zweite Kandidatin aber, Kimba Wood, war lediglich ein Opfer des Arbeitsmarktes: Sie hatte eine illegale Einwanderin zwar beschäftigt, aber das war zur damaligen Zeit gar nicht ungesetzlich gewesen. Sie hatte für sie sogar Steuern abgeführt. Und mußte trotzdem verzichten. Kein Problem, das mit der neuen Kandidatin entstehen dürfte: Janet Reno ist Junggesellin und selbstverständlich kinderlos. Glückwunsch, Mr. President.

Der peinliche Vorfall war international beachtet worden – hämisch oder empört: böses Amerika! Doch ereignet sich nicht auch in diesem Land jeden Tag ein Nannygate?

Monika Griefahn, Umweltministerin des Landes Niedersachsen und Mutter von Jonas, vier, und Nora Sophie, eins, berichtet: "Auf unsere erste Anzeige meldeten sich etwa zehn Frauen, von denen überhaupt nur eine bereit war, angemeldet und mit Steuerkarte zu arbeiten. Ich mußte sie anstellen, obwohl ich kein gutes Gefühl dabei hatte. Schließlich waren wir gerade erst hierhergezogen, Jonas hatte noch nicht einmal einen Kindergartenplatz."