Zum Horsd’ceuvre reichte Hoechst einen gelben Nebel, klebrig und giftig. Das Dessert war eine blaue Wolke, angeblich wasserlöslich und harmlos. Die unfreiwilligen Gäste am bunten Tisch des Chemiegiganten waren jeweils ganze Stadtteile der Mainmetropole. Zwischendurch wurde ihnen noch eine flambierte Fabrikhalle samt einer ölhaltigen Soße serviert. Chemieproduktion anno 1993 – eine Verkettung von Störfällen.

Bestätigt sich nun der Verdacht, daß den meisten Dreck am Stecken hat, wer am lautesten jault? Um mehr Umweltschutz abzuwehren, zog so mancher Chemiemanager gegen die angebliche „Arroganz der Inspektoren“ und gegen die „subversive Umweltbürokratie“ besonders aggressiv zu Felde, mancher sah bereits einen schlimmen „Ökofaschismus“ um sich greifen. Nun stehen die Herren mit dem Rücken zur Wand. Es wäre zu kurz gegriffen, nur über ihre stümperhafte Informationspolitik zu lamentieren. Die Sünde der Betonköpfe ist viel größer: Ihr Kampf gegen den Umweltschutz ist nicht nur fahrlässig; sie sind selbst zur größten Gefahr für die Zukunft der Chemiebranche geworden. vo