Hartwigs Sarg war aus massiver Eiche. Sein Leben lang hatte Hartwig Türen stets fest hinter sich zugemacht und über seine Körperkräfte besonders beim Koffertragen gespottet. Was der Pastor in Kapelle 3 über Hartwig und seine Lebensverhältnisse vortrug, bekam er im letzten Augenblick telephonisch von Hartwigs erster Ehefrau, Marlene, seine zweite Frau, Anna-Maria, schickte einen Brief, und Hartwigs Lebensgefährtin trank mit ihm eine Tasse Kaffee im Pastorat. Wer nicht hören wollte, wie der Pastor Hartwig in die Erinnerung der Trauergemeinde zurückrief, blieb im Auto sitzen. Daß Hartwig ruhelos spähende Blicke gehabt hatte, erwähnte der Pastor mit keinem Wort.

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Hartwig hinterließ keine Kinder, das Testament lag beim Notar, zwei Sakkos waren noch in der Reinigung, und sonntags hatte er, außer an Feiertagen, regelmäßig bis zum Mittagessen durchgeschlafen. Die beiden geschiedenen Ehefrauen standen ungefähr einen Meter vor dem Grab voneinander entfernt, und seine Lebensgefährtin war noch einen Schritt weiter weg. Die drei warfen je eine langstielige Rose auf Hartwigs Sarg. Ich fand, daß die Kuhle nicht tief genug ausgeschachtet worden war, und blieb wegen des Gedränges vor einem benachbarten Grab stehen, das kurz vorher zugeschüttet worden war.

Eine Frau mit einer leeren Einkaufstasche hatte eines der aufgestapelten Blumengebinde neben Hartwigs Grabstelle weggenommen und auf das frische Grab gelegt. Sie sagte, daß der Tote mit einem Anlauf aus dem Fenster gesprungen sei und auf dem Dach eines Wohnwagens landete, der jetzt verkauft werden soll. Und sie wäre schon zum zweitenmal Witwe geworden und stünde wieder vor dem Nichts.

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Hartwigs Trauerfeier nahm in einem Cafe-Restaurant bei Geflügelpasteten und trockenem Mosel ihren Fortgang. Hartwig hatte in einer Autobahnraststätte vier belegte Brötchen gegessen und war, nachdem er schnell mal austreten mußte, zusammengebrochen. Man trug ihn durch den Hintereingang der Raststätte in den Keller, aber wie zwei Autobahnpolizisten feststellten, kam jede Hilfe zu spät. Hartwig war auf einer Geschäftsreise gewesen und hatte, bevor er die belegten Brötchen bestellte, noch zu Hause angerufen.

*Hartwigs Lebensgefährtin ließ den verschlossenen Schreibtisch von seinem Anwalt öffnen. Der Schreibtisch war ein Erbstück seines Vaters, und sie wollte in Rechtsfragen genauso sichergehen wie Hartwig. In der obersten Schreibtischschublade rechts entdeckte der Anwalt einen Revolver und sagte, er müsse ihn der Polizei übergeben, denn Hartwig besäße weder einen Waffenschein noch einen Waffenbesitzschein. Von weiteren Konsequenzen dürfte wohl nicht die Rede sein, schloß der Anwalt. Hartwigs Lebensgefährtin antwortete, daß sie sich Hartwig gar nicht mit einem Revolver vorstellen könne, worauf der Anwalt ihre Hand zur Beruhigung zwischen seine Hände legte. Sie will Hartwigs Arbeitszimmer vorläufig nicht betreten und auch die Gardinen nicht beiseite ziehen und lüften.