Sevilla stand ein halbes Jahr bis zum 12. Oktober im Mittelpunkt der Öffentlichkeit – rund fünfzehn Millionen Gäste besuchten die Expo ’92. Seitdem stehen die neuerbauten Hotels fast leer, und die Weltausstellungsinsel „Cartuja“ liegt verlassen zwischen den beiden Flußläufen des Guadalquivir.

Bis heute fehlt ein langfristiges Nutzungskonzept für den 215 Hektar großen Technologiepark: Abriß, Umbau oder Privatisierung stehen zur Diskussion. Zwar plant die Nachlaßverwalterin der Expo, die Sociedad Estatal Cartuja 93, die Insel im kommenden Jahr zum innovativen Technologie- und Kulturzentrum auszubauen, aber noch ist völlig ungeklärt, wie das Projekt finanziert und umgesetzt werden soll.

Doch auch wenn es jetzt so aussieht, als ob Sevilla mit seinen über 700 000 Einwohnern wieder auf das Niveau einer Provinzhauptstadt zurückfiele, könnten sich die Investitionen in Milliardenhöhe auszahlen.

Sevilla dankt der Expo eine verbesserte Verkehrs-Infrastruktur. Veraltete Schnellstraßen wurden modernisiert und ausgebaut. Seit April vergangenen Jahres verbindet der Hochgeschwindigkeitszug AVE das 540 Kilometer entfernte Madrid mit Sevilla in nur zweieinhalb Stunden. Über den erneuerten Flughafen San Pablo unterhält die Stadt zahlreiche Nonstopverbindungen ins europäische Ausland. Und das neue Kongreß- und Messezentrum Palacio de Expositiones y Congresos de Sevilla wirbt auf dem internationalen Parkett für Geschäftsreisende.

In den vergangenen vier Jahren entstanden in Sevilla allein sechzig neue Hotels, die nun gefüllt werden wollen. Allein die Anzahl der First-Class-Herbergen hat sich verdoppelt. Mit rund 10000 Betten machen sie mehr als die Hälfte der 18 362 Schlafgelegenheiten aus. Die meisten Häuser haben einen oder mehrere Tagungsräume mit moderner technischer Ausstattung. Halsabschneiderische Zimmerpreise während der Expo von 700 Mark sind auf rund 200 Mark gesunken.

Einige Adressen für den Geschäftstourismus: Das 1992 eröffnete Fünfsternehotel „Radisson Principe de Asturias“ besitzt neben Tagungsräumen für bis zu 900 Teilnehmer ein Business Center mit Übersetzer-Service und Copy-Raum. (Isla de la Cartuja, 41092 Sevilla, Tel. 003454/446 22 22, Fax 446 04 28; Doppelzimmer von 240 Mark an). Auch das zentral gelegene Luxushotel „Tryp Colón“ wurde 1988 vollständig renoviert. Neben dem Business-Center bietet es eines der besten Restaurants von Sevilla (Canalejas 1, 41001 Sevilla, Tel. 003454/422 29 00, Fax 422 09 38, Doppelzimmer von 140 Mark an, Suiten von 820 Mark an). Auch das 1991 eröffnete Hotel „Ciudad de Sevilla“ setzt auf Geschäftsreisende. Das moderne Viersternehaus hat 92 Zimmer, Restaurant und Konferenzraum (Manuel Siurot 25, 41013 Sevilla, Tel. 003454/423 05 05, Fax 423 85 39; Doppelzimmer von 200 Mark an).

Das Konferenz- und Messezentrum liegt in der Nähe des Flughafens. Auf einer überdachten Fläche von insgesamt 60 000 Quadratmetern gibt es sieben Konferenz- und Tagungsräume für 60 bis 540 Teilnehmer, zwei Auditorien für 440 bis 1130 Zuhörer, eine Mehrzweckhalle für 600 Personen und drei Messepavillons. Die Konferenzräume sind mit Videoprojektoren und Simultanübersetzerservice für bis zu zehn Sprachen ausgestattet. Business Room, Pressebüro und Copy-Center stehen rund um die Uhr bereit. Tagungen und Kongresse vermarktet das Sevilla Congress and Convention Bureau (Plaza de Cuba 10, 41011 Sevilla, Tel. 003454/427 64 62, Fax 427 26 15), für Messen ist die Feria Iberoamericana Sevilla (FIBES), Tel. 003454/467 51 40, Fax 467 53 50, zuständig. Ralf Frädtke