Daß der Teppichklopfer dem Staubsauger weichen mußte, entlockt uns keine Träne. Zu viele Tränen sind seinetwegen vergossen worden. Und das Korbmacherhandwerk, dessen kunstvoll gefertigtes Produkt er war, hätte er allein auch nicht gerettet.

Denn die Reinigung der Teppiche und Läufer, der er eigentlich diente, blieb leider nicht sein einziger Daseinszweck. Man nannte ihn auch Ausklopfer. Ausgeklopft wurde nicht nur der Staub aus den Bodenbelägen, die dazu über die Teppichstange in Hof und Vorgarten gehängt und mit Schlägen traktiert wurden. Ausgeklopft, das heißt: Gezüchtigt wurden mit ihm strafweise auch die Kinder.

Lob und Preis: Verhallt ist das Echo, mit dem der infernalische Schall des Teppichklopfens die Großstadt schon in vorelektronischer Zeit mit Lärm versorgte und deutsche Reinlichkeit donnernd bezeugte. In seinem „Traktat über den Hund, Lärm und Geräusch“ schrieb Tucholsky sich und einer Minderheit im Jahre 1927 den Teppichklopferverdruß von der Seele: „Es ist Recht, Pflicht und göttliches Gebot, den Nachbarn den Teppichstaub in den Suppentopf zu schlagen; wie Kanonenschläge hallt das durch die steilen Steinhöfe.“

Die Aversion gegen den Klopfer, war keine Marotte des empfindsamen Tucholsky. Fast fünfzig Jahre zuvor läßt Fontane in seinem „Schach von Wuthenow“ (die Erzählung spielt 1806) seinen Zweifeln am Nutzen des Geräts freien Lauf: „... griff er zugleich doch nach einem breiten, aus Rohr geflochtenen Ausklopfer, der in einer Kaminecke stand, und versucht damit das Sofa, das sich Schach als Lagerstätte ausgewählt hatte, wenigstens aus dem Gröbsten herauszubringen. Aber der dichte Staub, der aufstieg, zeigte nur das Vergebliche solcher Bemühungen ...“

Der Nutzen des Klopfers war fragwürdig, der Lärm für empfindliche Ohren eine Marter: „Schlimm bleibt der unverständliche Ansager aus einem nachbarlichen Radio, das tägliche Geschepper der Kehrichtabfuhr und die wilde Teppichklopferei aus hallenden Höfen.“ (Max Frisch: Stiller. 1954)

Staubsauger zwar sind bei aller beschworenen Schallisolierung auch nicht gerade leise, aber sie verteilen den Staub nicht auf die Umwelt. Und sie können nicht als Züchtigungswaffe mißbraucht werden.

Was Waltraud Anna Mitgutsch in ihrem Roman „Die Züchtigung“ (1985) der Erzählerin in Erinnerung an die Mutter in den Mund legt, ist keine Fabel, sondern für ganze Generationen Teil ihrer Kindheit gewesen: „Ich fand den Teppichklopfer am Türrahmen der Waschküche hängen, er hing da wie ihre blaue Drillichschürze unterhalb der Bodenstiege, seit zwölf Jahren unberührt, ein Teil von zu Hause, ein Teil von mir, von meiner Kindheit, ein Teil der Lebensangst, die sie an mich weitergegeben, in mich hineingeprügelt hatte.“