Von Joachim Starbatty

„Der Kommunismus ... ist das aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich auch als diese Lösung.“

Karl Marx

Ist Karl Marx mit dem Untergang des Sozialismus in Mittel- und Osteuropa einen zweiten Tod gestorben? Oder wird er weiterleben, weil das Morsche, das wegen oder trotz der Perestrojka in sich zusammenfiel, mit ihm nichts mehr oder niemals etwas gemein hatte?

Karl Heinrich Marx, geboren am 5. Mai 1818 in Trier, entstammt einer alten Rabbinerfamilie. Er studierte in Bonn und Berlin Jura und Philosophie und promovierte in Jena über ein philosophisches Thema. Für eine Universitätskarriere bereits zu radikal, wurde er Redakteur, später Chefredakteur der Rheinischen Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe, eines großen Oppositionsblatts, gegründet von liberalen Finanziers. Hier prangerte er ohne jede Schonung soziale Mißstände an, bis die Zeitung nach gut einem Jahr von der preußischen Regierung verboten wurde. Marx wich mit seiner Frau Jenny nach Paris aus und führte zunächst das unstete Leben eines Emigranten. Dann warf er sich auf das Studium der politischen Ökonomie und der französischen Sozialisten.

Im September 1844 begann die in der Geistesgeschichte einmalige Freundschaft zwischen Karl Marx und Friedrich Engels. Der Fabrikant aus Barmen war mit Arbeit und Elend in den Fabriken durch unmittelbare Anschauung vertraut. Er wurde für Marx zum Freund und finanziellen Nothelfer.

Beide traten dem Bund der Kommunisten bei, einer geheimen Propagandagesellschaft, für die sie im Januar 1848 das „Manifest der kommunistischen Partei“ ausarbeiteten. Auf knappem Raum ist dort in drängender Sprache analysiert, gewertet und prophezeit, was Marx später, geschult durch das Studium der Berichte britischer Fabrikinspektoren und die Analysetechnik der klassischen politischen Ökonomie, in schwerleibigen Folianten und mäandrierenden Sätzen zu Papier bringt: die Belebung toten Kapitals durch das Blut der Arbeiterklasse.