Recht auf Dunkelheit

Wie die ZEIT vom 19. Februar berichtete, kämpft Rainer Schmidt im schleswig-holsteinischen Dithmarschen gegen den „Licht-Terror“ von High-Tech-Gärtnern, die ihr Gemüse Tag und Nacht mit Natriumhochdrucklampen beleuchten. Solange der gelbgrüne Lichtdom über dem Gewächshaus die Umgebung von Albersdorf ausleuchtet, kann der passionierte Jäger nicht mehr mit Erfolg durch den finsteren Tann stapfen.

Von ZEIT-Leser Rainer Bartels erreicht uns nun die Kunde, daß in Pforzheim unheimliche Lichtfinger am Firmament herumgrapschen. Mit einem Laserstrahl „versaut“ eine Diskothek das Himmelszelt, um Jugendliche zum Tanz ins Gewerbegebiet zu locken.

„Das Recht auf einen dunklen Nachthimmel“ ist zweifellos in Bedrängnis, die Kultur des Abendlandes auch. Wer wird den Königsberger Weltweisen – „Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ – noch verstehen, wenn der Himmel demnächst mit werbenden Hologrammen zugestrahlt wird? Wo wird religiöse Erbauung ihren Ort finden, wenn auf uns Menschen vom Himmel nicht, wie gewohnt, die schweigende Ewigkeit Gottes, sondern die junge Rama herniederblickt?

Gerüche und Gerüchte

Rechtzeitig zur Krise in Schleswig-Holstein hat der Rowohlt Verlag uns ein neues Taschenbuch, ein hübsches Bändchen, an die Hand gegeben. Wenn alles schon zum Himmel stinkt, dann „Düfte selber mixen“, so der Titel. Ob uns jemand stinkt oder wir sie oder ihn besonders gut riechen können, wissen wir spätestens dann, wenn uns der Duft in die Nase steigt. Dort sondieren „pro Nasenloch durchschnittlich fünf Millionen Riechzellen mit sechs bis acht Riechhärchen pro Zelle“, was ruchbar ist. Die Autorin hat jedem Sternzeichen eine Duftkombination zugeschrieben.

Werfen wir heute rasch einen hurtigen Blick auf den Krebs in der dritten Dekade, auf den Kieler Sozialminister Günther Jansen. Seine Düfte „bieten Raum zum Rückzug und zur Besinnlichkeit“, lesen wir da. „Sie stärken den Selbsterhaltungstrieb“ und sie „beruhigen das gestörte Verdauungssystem“. Estragon und Lemongras empfiehlt die Autorin für säuerliche Phasen, aber auch die bittere Lorbeerkirsche und die streng riechende Myrrhe fehlen nicht. Trost gibt die süße Schwere der weißen Lilie, und schließlich geht’s mit Ylang-Ylang zum guten Ende.