Am Anfang stand das Provisorium, und das war Bonn. Dann, als es keines mehr war und alle sich dauerhaft eingerichtet hatten, kam die Vereinigung und mit ihr die Frage: Wo sollen fortan Parlament und Regierung amtieren? Bekanntlich fiel die Entscheidung, aus vielerlei Gründen, rationalen und nationalen, für die alte Reichshauptstadt, und mögen die Bonner sich noch so grämen, es wird auch so kommen: „Bonn“ zieht nach Berlin.

Aber wann? Unversehens wächst über diese Frage eine neue Bonn-Berlin-Debatte heran. Sie steht im Zeichen der Kostenfrage. Inzwischen plädieren weit über hundert Bundestagsabgeordnete aus allen Parteien, darunter eine größere Zahl Ossis, für einen Aufschub des Umzugs. Manche wollen eine Art Moratorium, Sachsens Innenminister Heinz Eggert empfiehlt einen Verzicht: Der Aufbau Ost sei dringender.

Wolfgang Schäuble hingegen drängt auf einen beschleunigten Wechsel nach Berlin, „auch unter improvisierten Bedingungen“. Die Berliner bieten Ersatzquartiere, argumentieren mit „Bescheidenheit“ und erinnern, justament, an die einstigen Bonner Baracken. Noch einmal ein Neubeginn in Notquartieren?

Vielleicht wäre das 1990, in der Phase der Aufbruchstimmung, vor der Ernüchterung, möglich gewesen. Die Empfehlung hat es gegeben, gefolgt ist man ihr nicht. Auch Vorschläge für eine Aufgabenteilung zwischen Bonn und Berlin wurden verworfen. Die „Berliner“ aus allen Fraktionen und Landschaften wollten nichts Kleines, nichts Halbes, statt dessen die große symbolische Lösung. Soll sie aber wirklich gelingen und demokratisch funktionsfähig sein, braucht es länger. Nicht zuletzt Helmut Kohl ließ daran keinen Zweifel. Die neue Beschleunigungsdebatte ist überflüssig. Oder soll sie von der Misere der Einheit ablenken? wap