Massaker, Attentate, Morde – zwölf Jahre lang regierte die Angst in El Salvador. Niemand in dem kleinen mittelamerikanischen Staat hat den Schrecken vergessen, jeder kannte mindestens eines der etwa 75 000 Opfer des Bürgerkriegs. Nun erfährt das Volk endlich auch die Namen der Täter.

Einer „Wahrheitskommission“ der Vereinten Nationen gelang es, wenigstens 7000 Täter zu überführen. Mancher von ihnen ist bereits tot – wie Roberto d’Aubuisson, der 1980 den Anschlag auf den legendären Erzbischof Oscar Arnulfo Romero in der Kathedrale von San Salvador plante und als Gründer der rechtsextremen Arena-Partei jahrelang die Bürgerkriegspolitik der Regierung bestimmte. D’Aubuisson starb an Krebs.

Andere zogen sich erst im letzten Moment zurück – wie Verteidigungsminister Rene Emilio Ponce, der 1986 sechs Jesuiten ermorden ließ und am Freitag vergangener Woche mit den Worten aus dem Amt schied, er habe „für das Vaterland das Richtige“ getan. Wenige zeigten bislang späte Einsicht – so der ehemalige Guerillakommandant Joaquin Villalobes, der wegen seiner Verwicklung in mehrere Morde der UN-Empfehlung folgte, keinen politischen Posten mehr anzustreben

„Um das Trauma des Krieges zu überwinden, müssen sich die Salvadorianer der Katharsis aussetzen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.“ Mit diesem Appell wandte sich UN-Generalsekretär Butros-Ghali gegen den Versuch von Präsident Cristiani, die Aufarbeitung des Schreckens per Generalamnestie zu unterlaufen. Sogar die Vereinigten Staaten, einst Financier eines antikommunistischen Kreuzzuges, verlangten jetzt die Entlassung belasteter Offiziere. Und Jesuiten – Opfer wie Seelsorger – gaben dem weltlichen Herrscher von El Salvador den Rat, „christliche Vergebung nicht mit einem juristischen Pardon zu verwechseln“. Die Wunden eitern nicht mehr. Aber sie werden nur langsam vernarben. cw