Von Joachim Fritz-Vannahme

Bonn

Agatha Christie hätte an dieser geschlossenen Gesellschaft ihre wahre Freude gehabt: Wer sagte was, wer denunzierte wen, wer unterstellte wem die kleine Ungeheuerlichkeit, die den ganzen Fall erst ins Rollen brachte? Am 2. März waren die Türen auf der Chefetage im Verteidigungsministerium jedenfalls fest verschlossen, als sich die Staatssekretäre der Hardthöhe, der Leiter des Planungsstabes, Vizeadmiral Ulrich Weisser, der Generalinspekteur Klaus Naumann und der Sprecher des Ministeriums zum Leitungsgespräch bei Minister Rühe einfanden.

Volker Rühe ließ seine jüngste Südamerikareise kurz Revue passieren und wunderte sich noch im nachhinein über die Machtfülle der Generalstabschefs im fernen Argentinien und Chile. Mit dem Primat der Politik und parlamentarischer Kontrolle, wie sie das deutsche Konzept der inneren Führung festschreibt, das der Minister kaum zwei Wochen zuvor den chilenischen Offizieren zu erläutern suchte, mögen Rang und Rolle jener Generalstäbler kaum vereinbar sein.

Ähnlich lägen die Verhältnisse in der Türkei, ließ ein Mitarbeiter des Ministers einfließen, wo "der Minister zum Generalstabschef und nicht umgekehrt" fahre: "Aber solche Verhältnisse wollen wir ja nicht." War es nur Scherz, oder hatte es tiefere Bedeutung, jedenfalls erinnerte ein anderer Gesprächspartner in dieser Märzrunde daran, daß in Ankara der Generalstabschef eben viel mächtiger sei als der Verteidigungsminister.

Nur: Wer sprach diesen Satz tatsächlich – und wer plauderte ihn bei nächster Gelegenheit dann aus?

Das Hamburger Abendblatt schrieb den Satz Klaus Naumann zu, dem ranghöchsten Offizier der Bundeswehr, der sich hier und da schon mal unzufrieden zeigte mit seinem Titel des Generalinspekteurs und der im Oktober noch öffentlich erklärt hatte: "Meine Funktion entspricht der eines Generalstabschefs."