Eigenes Auto oder Nahverkehr?

Bei der Entscheidung, welches Verkehrsmittel sie benutzen sollen, gehen die Deutschen offenbar von einer krassen Fehleinschätzung aus: Während Autofahrer im Stadtverkehr ihre Fahrzeit um durchschnittlich zwanzig Prozent zu niedrig einstufen, überschätzen die Fahrgäste von Bussen und Bahnen ihre Reisezeit um rund ein Drittel. Das förderte jedenfalls eine Untersuchung des Münchner Institutes Socialdata im Auftrag des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen VDV zutage. Demnach unterstellt also ein potentieller Fahrgast dem öffentlichen Nahverkehr eine um zwei Drittel längere Reisezeit, auch wenn objektiv die Fahrt im eigenen Pkw genauso lange dauern würde. Kein Wunder, daß der deutsche Stadtbewohner nach wie vor einen Hang zum Auto zeigt. In einem Punkt allerdings stimmt das Vorurteil: Für dieselbe (Durchschnitts-)Strecke benötigt man im eigenen Automobil 20 Minuten, per Bus und Bahn dagegen 32 Minuten. Umsteigen und Wartezeiten an der Haltestelle verursachen die Verzögerung. Andererseits könnte der Passagier im öffentlichen Verkehrsmittel während der Fahrt zum Beispiel lesen und so den Zeitverlust wieder ausgleichen – vorausgesetzt, er bekommt einen Sitzplatz.

Hilfe für den Nil

Der hohe Schadstoffgehalt des Abwassers, das die ägyptische Textilindustrie in den Nil leitet, soll mit deutscher Hilfe verringert werden. Die Textilverarbeiter stellen nicht nur den wichtigsten Industriezweig in Ägypten, sondern verantworten auch den größten Anteil an der Verschmutzung des Stromes, der die einzige Trinkwasserquelle des Landes ist. Das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung entwickelte nun in Zusammenarbeit mit ägyptischen Firmen und im Auftrag des Bundesforschungsministeriums ein neues „Schlichtemittel“ aus wasserlöslicher Stärke. Schlichtemittel machen die Fasern widerstandsfähiger und sind daher für die Industrie unerläßlich. Bisher verwendeten die Hersteller klebstoffartige, wasserunlösliche Stärken, um das Kettgarn gegen die mechanische Beanspruchung beim Weben zu schützen. Nach der Verarbeitung wurde die Stärke mit Enzymen gespalten und die Reste als Abwasser in den Nil geleitet. Das neue Schlichtemittel dagegen waschen die Hersteller nach dem Weben unzerstört aus dem Stoff heraus, gewinnen es durch Ultrafiltration zurück und setzen es erneut ein. Dieses Recycling senkt demnach nicht nur die Umweltbelastung, sondern spart den Unternehmen auch noch Kosten.