Ganz ohne Folgen für den Tourismus bleibt die Teilung der ehemaligen ČSFR in zwei Staaten nicht. Sowohl die Tschechische Republik als auch die Slowakei wollen mit eigenen Fremdenverkehrsämtern und Reisebüros im Ausland um Urlauber werben.

Zwar wird der Autofahrer an der neuen Grenze zwischen der Tschechischen Republik und der Slowakei durchgewunken, doch schon Busreisende müssen mit einer Wartezeit rechnen. Die Unternehmen haben Gebühren zu entrichten.

Wer in der Hauptstadt der Slowakei, Bratislava (Preßburg), in ein Flugzeug nach Prag, der tschechischen Hauptstadt, steigt, wird jetzt international abgefertigt und erhält einen slowakischen Stempel in seinen Paß.

Auch auf die Trennung der Währung muß sich der Tourist einstellen. Sollte er noch Kronen aus der CSFR-Zeit haben, so kann er die Münzen in beiden Staaten, Scheine mit einem Wert unter hundert Kronen aber nur in der Tschechischen Republik einsetzen. Denn alle Geldscheine mit einem Wert von hundert Kronen und mehr sind mit Aufklebern gekennzeichnet und können nur in der jeweiligen Republik ausgegeben werden. Diese Regelung gilt, bis beide Länder jeweils die eigenen Währungen in Umlauf gebracht haben.

Seit der Teilung verspricht sich vor allem die Slowakei einen größeren Anteil am internationalen Tourismus. Bislang blieben von 1,28 Milliarden Dollar Deviseneinnahmen, die der ČSFR aus dem Tourismus zuflössen, rund 1,1 Milliarden in den tschechischen Landesteilen Böhmen und Mähren, während die Slowakei nur den mageren Rest abbekam. Von den 83,5 Millionen ausländischen Gästen, die 1992 die ehemalige Tschechoslowakei besuchten, waren 34,5 Millionen aus Deutschland. Die meisten waren Tagesbesucher.

Jetzt will die Slowakei aufholen. Die Vizeministerin im Wirtschaftsministerium, Ludmila Kostelnä, kümmert sich um den Tourismus und hat schon mal bei der EG in Brüssel in puncto Unterstützung vorgefühlt. Eigene Fremdenverkehrsvertretungen im Ausland sollen die Slowakei ins rechte touristische Licht rücken. Bis es soweit ist, werden die Auslandsbüros des Slowakischen Reisebüros (SCK), das sich vom bisherigen tschechoslowakischen Reisebüro Čedok abgespalten hat, diese Aufgabe mitübernehmen.

Cedok wird als tschechisches Unternehmen weiterbestehen und im Ausland eigene Firmen unterhalten (zum Beispiel in Frankfurt/Main, Kaiserstr. 54). Dort wo Čedok die Firmen an SCK abtreten mußte, wie in Berlin (Strausberger Platz 8-9), Zürich oder Wien, will Čedok neue Reisebüros einrichten.