Viele Bankkunden kennen das Gefühl: Je mehr Schulden man hat, desto netter wird man behandelt. Tröstlich, daß diese Regel auch im internationalen Bankgeschäft gilt. Immer wieder versuchten die Entwicklungsländer während der siebziger Jahre, vom Internationalen Währungsfonds (IWF) neue Sonderziehungsrechte (SZR), also internationales Kreditgeld zu bekommen. Vergebens: Vor allem die Vereinigten Staaten, Japan und die Bundesrepublik widersetzten sich diesem Begehren, weil sie – durchaus zu Recht – höhere Inflation fürchteten.

Nun ist zu hören, daß der IWF mit Unterstützung Washingtons und Bonns „innovative“ Finanzierungsmodelle zugunsten Rußlands erwägt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als das alte Modell der Ausgabe von SZR, also die Geldschöpfung zu Entwicklungszwecken. Es ist für den Westen ein bequemer Weg: Weder müssen die Regierungen kommerzielle Bankkredite verbürgen noch Boris Jelzins reaktionäre Gegner durch strenge Auflagen reizen, die bei normalen IWF-Krediten fällig wären. Und die Entwicklungsländer? Sie müssen sich in den Lauf der Welt fügen. Obervolta ist halt nicht Rußland. pp