Können wir uns beim Golfkrieg an Opfer erinnern? Eigentlich nicht, bis auf Ausnahmen. Sonst hat uns das von den Militärs inszenierte „Irreality TV“ den Blick verstellt.

Anders heute im ehemaligen Jugoslawien. Da sitzen wir Abend für Abend vor den Toten und Verletzten – dank der Journalisten, die wieder und wieder in die Kampfgebiete aufbrechen. Sie berichten über das eigentliche Ziel des Waffenterrors: über die Zivilbevölkerung. Sie blicken auf die Opfer, nicht auf Helden.

Darauf hat jetzt der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Freimut Duve bei der Verleihung des Fritz-Sänger-Preises hingewiesen. Die damit verbundenen 10 000 Mark kommen diesmal dem Hilfsfonds zugute, den Roman Arens von der Frankfurter Rundschau für die Hinterbliebenen der journalistischen Opfer eingerichtet hat. Mehr als vierzig Kollegen aus vielen Ländern sind bisher bei ihren Recherchen im ehemaligen Jugoslawien ums Leben gekommen, darunter Egon Scotland von der Süddeutschen Zeitung. Was Duve gesagt und Arens getan hat, wäre auch im Sinne Fritz Sängers, einst SPD-Abgeordneter und nach 1945 erster Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur, gewesen.

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Ziemlich unbemerkt, weil mitten in der Nach-Hessen-Aufregung und dem Solidarpakt-Getöse, hat Lothar Bisky, seit Ende Januar neuer PDS-Vorsitzender, letzte Woche in Bonn Antrittsbesuche gemacht. Ein bißchen schade, daß sich die Partei einen kleinen Knalleffekt ausgedacht hatte, der keiner war: 800 Millionen früherer SED-Gelder, die unter Zwangsverwaltung stehen, sollten sofort für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in den neuen Ländern verwendet werden. Doch würden die Gelder für unrechtmäßig erworben erklärt, flössen sie ohnehin gemeinnützigen Vorhaben im Osten zu.

Freilich wird – kein Ruhmesblatt – sowieso einiges versucht, die PDS als Partei auszugrenzen. Auch das hatte der neue Vorsitzende im Sinn, als er sagte: „Mit Gysi oder Bisky redet man, aber nicht mit der PDS.“

Daß Bisky in seiner ruhigen und nachdenklichen Art auf Wolfgang Schäuble oder den Grafen Lambsdorff Eindruck gemacht hat (und umgekehrt), kann man annehmen. Bei einem kleinen Abendempfang in der Brandenburger Landesvertretung sprach übrigens der Hausherr, der Potsdamer Justizminister und Landesbevollmächtigte Hans Otto Bräutigam, Begrüßungsworte. Brandenburger Toleranz.

Carl-Christian Kaiser