Kassenärzte: Die Opposition marschiert durch Olivetti: Das Unternehmen braucht Kapital Mülhens: Die Schlammschlacht

Deutschlands Kassenärzte haben ihre alten Funktionäre in die Wüste geschickt. Auf einer turbulenten Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) setzten sich überraschend die Kandidaten einer seit langem aktiven Oppositionsgruppe um den Kölner Nervenarzt Winfried Schone durch. Schorre selbst ließ sich in einer dramatischen Kampfabstimmung zum neuen Vorsitzenden wählen. Seinem Vorgänger Ulrich Oesingmann gelang es als einzigem der alten Kader, wenigstens einen Platz als Beisitzer zu erobern.

Im Wahlergebnis drückt sich die Unzufriedenheit vieler der 110 000 deutschen Kassenärzte mit dem neuen Gesundheitsstrukturgesetz aus. Sie werfen ihrem alten Vorstand vor, das Gesetz nicht entschieden genug bekämpft und mit Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer sowie den Krankenkassen gekungelt zu haben. Seehofer selbst hatte mit ungeschickten Äußerungen über die gute Zusammenarbeit mit Oesingmann und Genossen diesen Eindruck noch verstärkt.

Gleich nach seiner Wahl kündigte Schorre einen Kurswechsel in der Politik der Kassenärzteschaft an: Durch neue Gebührensysteme, mehr ärztliche Freiheiten und eine stärkere Beteiligung der Patienten an den Gesundheitskosten wollen er und seine Mannen die Verdienstmöglichkeiten der eigenen Klientel deutlich verbessern.

Für die rechte Panik unter der Ärzteschaft hatte kurz vor der Vertreterversammlung die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der Pfalz gesorgt. Sie veröffentlichte das Ergebnis einer betriebswirtschaftlichen Studie, wonach 16 von 27 untersuchten Arztpraxen in der Pfalz praktisch bankrott sind. Dabei habe es sich noch um recht gutgehende Praxen gehandelt. Die Diagnose der pfälzischen KV-Vorsitzenden Gudrun Blaul war eindeutig: „Das derzeitige System der kassenärztlichen Versorgung steht kurz vor einem letalen Herzinfarkt inklusive Schlaganfall.“

Auch in den Portemonnaies der Manager hinterläßt die Stahlkrise ihre Spuren. Bei vielen Unternehmen ist ein Teil der Bezüge von der Höhe des Gewinns abhängig, wenn auch nicht unbedingt von der Zahlung einer Dividende.

Wie sich das auswirken kann, zeigt der jetzt vorgelegte Abschluß der Klöckner-Werke für 1991/92, der einen Verlust von beinahe 600 Millionen Mark dokumentiert, während im Jahr zuvor noch ein kleiner Gewinn von 1,5 Millionen Mark ausgewiesen wurde. Konsequenz der Ergebnisverschlechterung ist ein Rückgang der Vorstandsbezüge von 4,53 auf 3,35 Millionen Mark oder von 890000 auf 670 000 Mark je Vorstandsmitglied. Die Gehaltseinbußen beschränken sich nicht auf die Vorstandsmitglieder, auch leitende Angestellte werden über Tantiemekürzungen zur Kasse gebeten.