ZEIT: Herr Minister, wo werden Sie neue Schwerpunkte setzen?

Wissmann: Dieses Haus ist als Atomministerium gegründet worden, später kam die Raumfahrt hinzu. Wir wollen diese beiden Felder nicht aufgeben, aber künftig wird das Ministerium stärker von der Umwelt-, Verkehrs- und Medizinforschung geprägt sein.

ZEIT: Was wollen Sie von der Nuklearforschung erhalten?

Wissmann: Wichtig bleibt die Fusionsforschung. Auch werden wir mit unseren osteuropäischen Nachbarn weiter versuchen müssen, die Sicherheit der Kernkraftwerke zu verbessern. Und eine große Schwierigkeit wird die Bewältigung der nuklearen Altlasten im Forschungsbereich sein. Diese sind eine finanzielle Zeitbombe. Ich werde dem Bundestag bald einen offenen Bericht vorlegen. Denn ich glaube, alle Parteien sind daran interessiert, daß die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, etwa für die Entsorgung der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe.

ZEIT: Können Sie Zahlen nennen?

Wissmann: Sicher handelt es sich um mehrere Milliarden Mark. Und jeder Monat, der verstreicht, um die notwendigen Genehmigungen beizubringen, treibt die Kosten in die Höhe. Deshalb müssen sowohl das Bundesforschungsministerium als auch das Land Baden-Württemberg ihre Hausaufgaben möglichst rasch erledigen.

ZEIT: Werden Sie dafür sorgen, daß sich die Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die EVU, finanziell stärker an dieser Entsorgung beteiligen?