Manche Kultusminister glauben, daß sie für die Bildung mehr erreichen können, wenn darüber ein eigenes Gipfelgespräch mit dem Kanzler stattfindet.

Hoffentlich haben sie sich nicht verschätzt. Taktische Brillanz gehört nicht zu den hervorstechenden Merkmalen der Kultusministerkonferenz. Dabei liegt die Frage nahe, ob nach dem Konsolidierungskraftakt vom Wochenende noch nennenswerte Reste in den Staatskassen übrig sind. Ist der Verdacht daher ganz aus der Luft gegriffen, daß die Bildungsexperten genau in jene Ecke gedrängt wurden, in die der Bundeskanzler sie von Anfang an schieben wollte? Auf dem Bildungsgipfel könne über alles geredet werden, erklärte Helmut Kohl schon vor einem Jahr kategorisch, nur nicht über Geld. Seitdem verschiebt er ihn von Mal zu Mal.

Es fällt schwer zu glauben, daß der Gipfel überhaupt zustande kommt. Noch eitler scheint die Hoffnung, daß er etwas zustande bringt. Trotzdem werden alle Betroffenen weiter von ihm reden.

Die Hochschulrektoren: Sie waren die ersten, die zum Sturm auf den Bildungsgipfel bliesen. Action sollte die Rettung bringen, wenn schon kein Politiker mehr sich von ihren Klagen beeindrucken ließ. Noch immer aber wiegen sie sich in der Illusion, daß sie auf dem Gipfel auch Gehör finden.

Die Länder: Sie fordern den Gipfel, weil sie für die Hochschulen zusätzlich vier Milliarden Mark haben wollen. Seit 1977 wurden die Mittel für die Hochschulen nicht mehr aufgestockt. Damals studierten sechzehn Prozent eines Altersjahrgangs, heute wird der Anteil auf das Doppelte geschätzt. Genaue Zahlen hat keiner.

Der Bund: Er spricht vom Gipfel, weil er den Ländern sagen möchte, wo es langgeht. Dem Bundeskanzler liegt vor allem daran, die Berufsausbildung als gleichberechtigte Alternative zum Hochschulstudium hervorzuheben. "Wir brauchen nicht nur Architekten, wir brauchen auch Poliere" heißt sein Leitmotiv. Es klingt schon jetzt wie ein Wahlkampfslogan, und der wird den Hochschulen noch zu schaffen machen.

Nur ungern redet der Bund darüber, daß sein Finanzierungsanteil an den Bildungsausgaben von 10,8 Prozent (1972) auf 8,1 Prozent im Jahre 1990 gesunken ist. Das waren für die Länder 1990 drei Milliarden Mark weniger als im Plansoll vorgesehen.