Selbstbewußt lächelt der Mann in die helle Eichenküche hinein. Zwischen Töpfen und Tellern scheint er alles im Blick zu haben - einer, dem man sein Schicksal anvertrauen kann. Der Mann auf dem Photo ist Uwe Barschel. Die Küche gehört seiner Frau Freya.

Auf den ersten Blick sieht sie zerbrechlich aus. Eine Frau, die Beschützerinstinkte weckt. Dezent geschminkt und onduliert, hat sie den diskreten Charme hanseatischer Damen. Ihre Domäne ist nicht die Küche, sondern der Salon.

Freya Barscheis Salon nimmt fast den ganzen unteren Trakt des großen, an einem Waldsee bei Mölln gelegenen Landhauses ein. Mit seiner säulengesäumten Freitreppe, den Sprossenfenstern und Holzgiebeln verbreitet es hochherrschaftliche Gediegenheit. Stilgerecht auch der Salon: dunkle Eichentäfelung, mattglänzende gelbe Stofftapeten, sorgfältig um den offenen Kamin plazierte Tischchen und Sofas im englischen Stil.

Freya Barschel sitzt sehr aufrecht, mit artig nebeneinandergestellten Beinen auf der Sofakante, ruhig, ja fast starr. Sie wendet dem Gast ihre volle Aufmerksamkeit zu, reicht Kaffee und Gebäck. Freya Barschel spricht nicht, sie plaudert. Leise lächelnd, mit einem verständnisheischenden Unterton. Lächeln entwaffnet.

Mehr als fünf Jahre ist es jetzt her, daß Uwe Barschel, der ehemalige Ministerpräsident Schleswig Holsteins, tot im Genfer Hotel "Beau Rivage" aufgefunden wurde, Tiefpunkt einer der größten politischen Skandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Dr. Uwe Barschel hatte zügig Karriere gemacht: Mit. 25 war er stellvertretender CDU Landesvorsitzender, mit 28 LandFremdsprachenkorrespondentin wenig Notiz. Interessant wurde sie nur, wenn sie einer Pressekonferenz in Genf auftrat. Zu seinen Lebzeiten als "Heimchen am Herd" beschrieben, mutierte sie nun in der Boulevardpresse zum "Eiskalten Engel". Freya Barscheis Erklärung dazu klingt wie eine Entschuldigung: "Ich habe würde, mich so zu verhalten. Ich wollte ihm damit die Treue halten "

Zweifel an ihrem Mann zuzulassen. Für seine Frau ist Uwe Barschel der "Kampagne" ominöser Drahtzieher erlegen. Sie spricht mit Verbitterung über die Treulosigkeit ehemaliger CDU Freunde. Ihre eigene Rolle beschreibt sie wie die einer Beobachterin: "Natürlich habe ich gemerkt, daß ihn irgend etwas belastete. Aber worum es im einzelnen ging, wußte ich nicht Sie sei ein völlig unpolitischer Mensch: "Er hat gesagt, mir kann immer mal was rausrutschen, was ihm dann schadet Leise: "Er war ja auch Geheimnisträger!"

Barschel gern. Selbst aus ihrem gegenseitigen Kennenlernen hat er eins gemacht. Offiziell hieß es, sie hätten sich bei Freunden in Heidelberg getroffen. Dabei sind sich Freya und Uwe Barschel auf einer Wahlveranstaltung Ende 1972 begegnet. "Wir haben das nicht verraten", sagt sie und lächelt verschmitzt. Ihr Lächel Retagsabgeordneter, mit 30 Fraktionsvorsitzender und mit 38 Ministerpräsident. Mitten in diesem Karriere Galopp heiratete er Freya von Bismarck.