Am 2. Mai 1992 kamen die 37jährige Frau Christel M und ihr Lebensgefährte aus Mecklenburg Vorpommern in die Großstadt Hamburg. Mit ihrem neuen Automobil - Westfabrikat, noch nicht abbezahlt - wollten sie einmal so richtig schön einkaufen fahren. Doch schon beim Versuch, eine Parklücke zu finden, kam es zu einer Schlägerei. Nun muß sich die zierliche Ökonomin von der Kreisverwaltung Pritzwalk wegen versuchter Nötigung und körperlicher Mißhandlung vor dem Amtsgericht Hamburg verantworten. Christel M hatte am Burchardplatz nach einem Parkplatz gesucht. Doch wo immer ein Auto wegfuhr, sprang sofort eine Westfrau in die Lücke und blockierte sie, bis der Gatte herangefahren kam "Das kannten wir von zu Hause aus nicht, aber das können wir auch", dachten sich die lernwilligen Neubürger. Schließlich glaubte auch Christel M, mit ausgebreiteten Armen einen Platz besetzt zu haben. Aber der nun ebenfalls wegen Nötigung und Körperverletzung angeklagte Damian B , 25, schoß mit seinem Kadett "wie der Teufel in die Lücke", so Christel M. Mit der Stoßstange habe er sie weggeschubst. Ihr Begleiter bestätigt diese Darstellung, muß aber zugeben, daß er aus seinem Wagen das Geschehen gar nicht beobachten konnte.

Damian B mochte sich vor Gericht an Stöße mit der Stange nicht erinnern. Der Autofahrer will die Fußgängerin über die Rechtsordnung aufgeklärt haben: "Das geht hier nicht nach dem Recht des Stärkeren", und ganz sanft habe sein Kadett sie dann "gewissermaßen ein bißchen weggedrückt".

Darauf zürnte die Frau: "Ihr Wessis glaubt wohl, daß ihr euch alles mit uns erlauben könnt!" Ein verständlicher, aber ungerechter Vorwurf, denn Damian B konnte nicht wissen, daß er eine Ossifrau auf der Haube hatte. Nein, er habe Christel M nicht mehrmals mit der Fahrertür gegen den nächsten Wagen gequetscht. Aber sie habe immer wieder versucht, ihn durch das Fenster hindurch zu schlagen. Der kräftige Schlosser gibt - taktisch ungeschickt - zu, die Schläge der zierlichen Frau ohne Mühe mit dem Arm abgewehrt zu haben.

Christel M verläßt die eben noch so genaue Erinnerung. Aber unter den hartnäckigen Fragen der Richterin leugnet sie nicht länger: "Ich war so inne Brass. Ich wollte ihm an den Kragen. Irgendwie habe ich mit meinen Händen da im Wagen herumgefummelt Nach diesem Teilgeständnis kauert sie zerschlagen auf dem Stuhl. Unklar bleibt, ob die Christel M später attestierten "Prellmarken am Oberarm" Folgen ihres eigenen Angriffs waren oder Spuren von Damian B s Rütteln mit der Tür.

Mittlerweile war auch ihr Begleiter herbeigeeilt. Er packte Damian B am Hemd und versuchte ihn aus dem Fenster zu ziehen. Das gelang nicht. Daraufhin forderte er Damian B. mit den Worten "Alter, das klären wir draußen" zum Verlassen des Fahrzeugs auf.

Leider haben sich die Zeugen nicht einmal mit ihren Partnern abgesprochen, alle vier angebotenen Versionen widersprechen sich. Sicher scheint, daß Damian B mit semer bis dahin unbeteiligten Verlobten und jetzigen Ehefrau schließlich aus dem Auto stieg. Bevor er seinen Triumph mit dem Einwerfen eines Markstücks besiegeln konnte, rief ihm der Ostdeutsche hinterher: "Nun hau bloß ab mit deiner alten Schlampe Vor Gericht dementiert er matt, etwas wie Schlamperei könne er schon gesagt haben.

Damian B mußte nun die Ehre seiner Verlobten verteidigen und knöpfte sich den Widersacher vor. Am Ende der Rangelei steht der Ostdeutsche ohne Brille, aber mit zwei blauen Augen da. Eine "reine Abwehrbewegung", erklärt sich Damian B das Malheur. Der Zeuge Br, Offizier der Bundeswehr, griff an dieser Stelle ein und konnte Schlimmeres verhüten. Aber kaum hatte er die Männer getrennt, da stürzte Frau M auf die schwangere Verlobte von Damian B zu und stieß sie aufs Pflaster.