Jetzt geht es den Schmarotzern an den Kragen. Nicht nur den Schwarzarbeitern stehen harte Zeiten bevor. Auch kriminelle Unternehmer, die ausländische Hilfsarbeiter für einen Hungerlohn kaputtschinden, sollen hart bestraft werden, möglicherweise sogar mit Gefängnis. Arbeitsminister Norbert Blüm greift durch. Die Bekämpfung des Mißbrauchs war sein Joker beim Poker um den Solidarpakt. Allein die Arbeitsämter könnten in den kommenden Jahren die Staatseinnahmen um mehrere Milliarden erhöhen, wenn sie ernsthaft gegen Mißbrauch vorgehen, hat der Arbeitsminister ausgerechnet.

Die Rechnung wirft freilich peinliche Fragen auf. Im Grunde ist sie ja nichts anderes als das offene Eingeständnis, daß bisher nicht ernsthaft gegen Wirtschaftskriminalität vorgegangen wurde. Offenbar haben Blüms Kontrolleure bis heute nicht so genau hingeschaut. Doch jetzt, wo das Geld knapp wird, soll das Milliardenreservoir der Schattenwirtschaft angezapft werden. Norbert Blüm hat für seine „Offensive gegen den Mißbrauch“ deshalb alles andere als Lob verdient. Er müßte sich vielmehr dafür schämen, daß die Illegalität im Arbeitsleben vor seinen Augen überhaupt derartige Ausmaße annehmen konnte. per