Von Elke von Radziewsky

Gestrüpp, Gras, Eichenstämme. Ein Stück Garten in der Kunstausstellung. Ein Mann treibt es hier verzweifelt mit der Höhle eines Baumes. Ein zweiter liegt in Paul McCarthys mechanischem Werkstück am Boden, versucht’s krampfhaft mit einem Erdloch. Dazu ächzen die Getriebe, die die beiden Männer in Bewegung halten.

Eine wächserne Frau kriecht auf Händen und Knien. Nackt. Verschmutzt. Sie zieht eine lange Kotschlange hinter sich her. Neben ihr baumeln zwei Selbstmörderinnen, auch von Kiki Smith, bis in die Haarspitzen aus feinem Seidenpapier geschnitten und modelliert, die eine hat sich erhängt, die andere die Pulsadern aufgeschnitten.

Befragungen stellt die Ausstellung "Post Human" in der Hamburger Deichtorhalle an, Befragungen unserer Realität, des Menschenbildes, das wir haben, der Situation der Kunst. Der Titel der Schau ist schon ihre These: Wir leben in der posthumanen Gesellschaft, Gentechnik und Informatik verändern das Menschenbild. Humanistische Traditionen gelten nicht länger, die neue Welt hat eine neue Moral.

Eine Zwei-Meter-vierzig-Frau von Charles Ray, dunkelblau als Deichtorhallen-Hosteß kostümiert, empfängt den plötzlich kleinen und ödipal geängstigten Besucher und geleitet ihn zu den weiblichen Metamorphosen einer braven Tochter zur schrecklichen Terroristin, die Dennis Adams in Portrait-Siebdrucken von Patricia Hearst dokumentiert. Sylvie Fleurys narzißtische Schuhbetrachtungen, Ausschnitt aus einer Edelboutique, befinden sich in einem Kabinett mit Photo-Bildern von Cindy Sherman, die auf einmal gar nicht mehr boshaft und selbstentblößend sind, sondern plastikblanke Porno-Prothesen zeigen.

Schock und Gegenschock. Als Dialog inszeniert, hier und an anderen Stellen dieser Ausstellung. Und trotzdem verhallen die Provokationen dieser Trend-Ausstellung in den hohen und weiten und weißen Kabinetten und in den empirisch unbeeindruckten Sacherklärungen des Deichtorhallen-Chefs Zdenek Felix.

Was Paul McCarthy und Kiki Smith da zeigen, sei harmloser, als es scheinen mag, erklärt er und nimmt jede Frage vorweg. Der frühere Performancekünstler McCarthy spiele mit mythologischen Motiven, und seine Installation "Der Garten" sei ein Sinnbild der Mutter Erde. Und bei Kiki Smith gehe es um Körperflüssigkeiten, und dazu gehörten Blut, Unrat, Schweiß und Tränen. Ja, richtig. Ja und?