Von Anatol Johansen

Nun wird er doch nicht fliegen: Der Brem-Sat, ein Minisatellit Bremer Ingenieure, der ursprünglich mit der D2-Mission starten und später im All automatisch experimentieren sollte. Da es immer noch Probleme mit dem Aussetzmechanismus an Bord der Raumfähre Columbia gibt, fällt die Premiere des „kompakten Technobrummers“ (siehe ZEIT Nr. 53,1992) vorerst aus. Dennoch schlägt die Stunde der maßgeschneiderten Mikrosatelliten: Als „PCs der Raumfahrt“ dürften sie nämlich in Zukunft immer mehr den herkömmlichen Weltraumprojekten Konkurrenz machen.

Normale Satelliten erreichen heute die Ausmaße eines Linienbusses und schnell Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar. Das muß aber nicht so sein, meint Manfred Fuchs, ein mittelständischer Unternehmer aus Bremen, der auf Lücken im Raumfahrtmarkt spezialisiert ist. Er hat für nur sechs Millionen Mark den Kleinsatelliten Safir (Satellite For Information Relay) gebaut. Dieser soll zum Beispiel vor Autoklau schützen: Ein Sender, die „Safir-Microstation“, wird dazu in das Rahmenprofil des Fahrzeugs eingebaut – und zwar derart, daß die Entfernung der kosmischen Wanze den Wagenwert empfindlich verringern würde. Sollte die neue Limousine gestohlen werden, läßt sich via Satellit innerhalb von Stunden ihre Position ermitteln.

Mit Hilfe seines Kleinsatelliten Safir kann Fuchs noch weitere Dienste anbieten, zum Beispiel lassen sich wissenschaftliche Meßstationen abfragen, die sich auf See, in unwegsamem Gelände oder in der Antarktis befinden. Desgleichen soll Safir Notmeldungen von verunglückten Bergsteigern oder Seglern auffangen. Der dazu notwendige Alarmsender wiegt bloß hundert Gramm, stört also im sparsamen Gepäck des Bergsteigers nicht weiter. Lasttransporte oder Güterwaggons könnte Safir ebenfalls verfolgen.

All dies soll zu akzeptablen Preisen arrangiert werden. So kostet zum Beispiel der Minisender für den einsamen Abenteuertouristen etwa 2500 Mark, eine einzelne Positionsbestimmung 30 Mark. Um die Preise niedrig kalkulieren zu können, will Fuchs seinen Satelliten mit den vergleichsweise billigen russischen Trägerraketen starten lassen – für nur etwa 150 000 Mark.

Der erste Safir soll schon im kommenden Juni abgefeuert werden, als Zusatznutzlast beim Start des russischen Erderkundungssatelliten Resource-01 N3 auf einer Zenith-Rakete. Im nächsten Jahr würde dann der zweite Safir folgen.

So überzeugt ist der Bremer Unternehmer von seinem Konzept, daß er keineswegs daran denkt, seine Satelliten zu verkaufen. Er will sein Safir-Network selbst betreiben. Das Interesse, das er mit seinem Satellitensystem kürzlich auf der Telekommunikationsmesse Online ’93 in Hamburg fand, hat ihn in dieser Haltung nur bestätigt.