Denn Engholm ist ein ehrenwerter Mann. Aber wie lange noch? Die Geständnisse seiner engsten Mitarbeiter zwingen den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und SPD-Bundesvorsitzenden in einen zunehmend brisanten Erklärungsnotstand. Erst gibt sich der Kieler Sozialminister und stellvertretende Regierungschef Günther Jansen als Nothelfer des Barschel-Schlägers Reiner Pfeiffer zu erkennen. Jetzt entpuppt sich der Adlatus aus der Staatskanzlei, Klaus Nilius, als notorischer Lügner. Wahrlich, ein paar interessante Herren, die Björn Engholm um sich geschart hat.

Hilft dem Samariter Jansen, vorerst zumindest, noch das entlastende Indiz Dummheit, so gibt es für Nilius’ Handlungen keine Entschuldigungen mehr. Der ehemalige Pressesprecher der SPD Schleswig-Holsteins stand bereits im Zwielicht, weil er frühzeitig Kontakte zu Pfeiffer hatte und kürzlich auch als konspirativer Geldbote Jansens enttarnt wurde. Nun hat er Aktivitäten zugegeben, die er 1987 vor dem Kieler Untersuchungsausschuß abgestritten hatte und die seine bisher dubiose Rolle im Barschel-Drama eindeutig als verwerflich erscheinen lassen:

Entgegen seinen Aussagen vor dem Untersuchungsausschuß hatte Nilius schon im Juli 1987 Kontakt mit Pfeiffer. Er wurde über die Kampagne Barschels und seiner Kumpane gegen Engholm informiert – der Spiegel enthüllte die Machenschaften erst am 14. September – und versuchte, seine Kenntnisse in der Presse zu lancieren. Gleichzeitig erhielt Nilius von Pfeiffer Unterlagen aus der Staatskanzlei, unter anderem den Entwurf der letzten Parlamentsrede Barschels vor den Landtagswahlen in jenem Jahr, die er offenbar auch an Engholm weitergegeben hat.

Mit seinen sehr verspäteten Schuldgeständnissen provoziert Nilius, der inzwischen seinen Schreibtisch in der Kieler Staatskanzlei geräumt hat, eine Vielzahl von Fragen für den künftigen Untersuchungsausschuß des Landtages. Warum hat er Pfeiffer nicht von weiteren subversiven Angriffen gegen seinen Parteifreund, den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Engholm, abgehalten? Oder hat er ihn vielleicht gar dazu ermuntert? Weshalb hat er seiner Parteispitze nicht über die Angriffe aus dem Regierungszentrum berichtet? Oder hat er es womöglich getan?

Doch bei der Fortsetzung des Barschel-Skandals geht es nicht mehr nur um Jansen und Nilius. Weil sie in seinem direkten Umfeld agierten, stellt sich dringend auch die Frage: Was wußte Engholm und wann? Wenn der SPD-Vorsitzende Schaden von seiner Partei abwenden will, wird er mit seiner Antwort nicht bis zum Untersuchungsausschuß warten dürfen. D. B.