Wir gehen in einer Stunde auf Sendung, Herr Streusel, machen wir jetzt noch eine Durchlaufprobe, damit es dann wie am Schnürchen klappt. Ich werde Sie mit Tusch und Fanfaren ankündigen, Sie treten aus diesem Vorhang heraus, herzlichen Begrüßungsbeifall, ich heiße Sie im Namen von FAD II ganz herzlich willkommen, hebe hervor, daß es sich um einen ganz großen Anlaß handelt, denn (Tusch!) Ihnen wird eine ganz hohe Auszeichnung verliehen: die „Weiße Weste“, Applaus, Applaus für Dieter Streusel.

Meine Assistentin Luschi bringt die „Weiße Weste“ herein, hängt sie Ihnen um, dazu lächeln Sie verlegen und gerührt, Kamera groß auf „Weiße Weste“, wir lesen, in goldenen Lettern gestickt: FAD II Ehrenpreis. Wie Sie nun die Begründung erfahren, lächeln Sie geschmeichelt: Unter 3046 Politikern sind Sie der einzige absolute Saubermann. „Und darum“, rufe ich ins Publikum, das spontan 11,8 Sekunden Beifall spendet, „feiern wir Sie als „Engel von Bonn’.

Zwölf Jahre im politischen Geschäft und seine Unschuld, seine politische wohlgemerkt, nicht verloren, Respekt, Respekt.“ Nun machen wir auf human touch: „Herr Streusel, mal Hand aufs Herz: Haben Sie damit gerechnet, jemals die ‚Weiße Weste‘ zu tragen?“ Darauf Sie: „Ich kann es immer noch nicht fassen und bin sehr, sehr glücklich.“

Nun kommt der Humor zu seinem Recht: Ich: „Wie haben Sie es geschafft, in Bonn anständig zu bleiben?“ Darauf Sie, schelmisch: „Ich habe mich einfach nicht erwischen lassen.“ Kamera schwenkt über lachende Zuschauerreihen. Nun nähern wir uns dem Höhepunkt. „Dieser Mann, dieser Streusel“, sage ich mit Tremolostimme und zeige auf Sie, „hat uns ein Beispiel gegeben, daß es auch ohne Firmenleihwagen à la Amigo, auch ohne Verwandtenbegünstigung, auch ohne Parteispendendelikte geht, darum ist er für uns alle gerade in dieser Zeit mit Ihrer Politikverdrossenheit ein leuchtendes Beispiel, dem wir alle nacheifern wollen.“ Darauf siebzehn Sekunden tosender Beifall, ich geleite Sie hinaus, rufe Ihnen noch scherzhaft nach „Bleiben sie sauber!“. Nachspann. Werbung.

Alles klar? So, was haben Sie noch auf dem Herzen? Wie bitte? 50 000 Mark Auslageentschädigung, sonst enthüllen Sie live, wie wir Sie manipuliert haben? Also Erpressung? Herr Streusel, der Mann in der Kulisse ist unser Scharfschütze, Herr Breuer. Ein Pieps – und Sie sind ein toter Mann. Das wäre der erste Live-Mord im deutschen Fernsehen. Und Sie sind mit FAD II dabei!